Nachrufe

Hans Riegel / 10. 3. 1923 - 15. 10. 2013

»Mal war er lustig, mal war er streng«, hat das Werbegesicht der wahrscheinlich berühmtesten Gummibärchen, der TV-Ansager Thomas Gottschalk, dieser Tage über Haribo-Chef Hans Riegel gesagt. Und so wurde dann auch in den meisten Nachrufen das Bild vom Marketinggenie gemalt, vom guten Firmenpatriarchen aus Bonn, über den die Nachrichtenagenturen anlässlich seines Todes auch noch zu berichten wussten, dass er Hubschrauberpilot, passionierter Großwildjäger, Leistungssportler, Partykönig gewesen war. Jenseits von Glamour und Süßigkeitenatmosphäre war der Spross einer Unternehmerfamilie eher schweigsam über das Geschäft mit der eingefärbten Gelatine. Rund zwei Milliarden Euro Jahresumsatz sollen die etwa 6000 Mitarbeiter an den 15 europäischen Standorten dem Konzern gebracht haben, der Familie bescherte das ein Milliardenvermögen. Der erste Betriebsrat im Unternehmen musste Ende der 1990er Jahre nach Schichtende in einer Tiefgarage tagen. Und als es darum ging, die überlebenden Zwangsarbeiter der NS-Zeit zu entschädigen, behauptete Haribo, während des Zweiten Weltkriegs keine Sklaven beschäftigt zu haben - und wies die offizielle Entschädigungsinitiative als Versuch zurück, die These von der »Kollektivschuld« zu reaktivieren. Berichten zufolge hatte Haribo ein Werk übernommen, in dem Zwangsarbeiter beschäftigt waren - der Entschädigungsstiftung trat Haribo niemals bei. tos

Erich Priebke / 29. 7. 1913 - 11. 10. 2013

An seinem 100. Geburtstag im Sommer wurden bereits alle Ehrbekundungen für den verurteilten NS-Kriegsverbrecher untersagt. Erich Priebke konnte zwar seinen Lebensabend im Hausarrest in Rom verbringen, wo er bis zuletzt bei regelmäßigen Spaziergängen beobachtet wurde. Ob und wo er ein Grab findet, ist eine Woche nach seinem Tod aber noch nicht klar. Priebke hat als Hotelfachmann, SS-Hauptsturmführer, flüchtiger Kriegsverbrecher und verurteilter Kriegsverbrecher zwar viel von der Welt gesehen, doch seine sterblichen Überreste will kein Land haben.

Priebkes »Vorliebe« für Italien war schon gelegt, als er 1936 Dolmetscher bei der Gestapo wurde. Als Verbindungsoffizier zur italienischen Polizei war er dann an einem der schlimmsten Verbrechen der Nazis beteiligt, am Massaker in den Ardeatinischen Höhlen bei Rom am 24. März 1944, bei dem 335 Zivilisten ermordet wurden. Dafür erhielt er 1998 eine lebenslange Haftstrafe, von der er jedoch nur ein Jahr im Militärgefängnis verbringen musste. kah

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