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Zwei Kandidaten für die Juso-Spitze

Mit der Wahl im Dezember entscheiden die Jungsozialdemokraten über den Kurs: »Öffnung« oder »Traditionalismus«

  • Von Vincent Körner
  • Lesedauer: 3 Min.
Auf dem nächsten Bundeskongress der Jungsozialisten im Dezember in Nürnberg verabschiedet sich Sascha Vogt vom Vorsitz. Zwei potenzielle Nachfolger haben ihren Hut in den Ring geworfen.

Die Jusos wählen im Dezember einen neuen Bundesvorstand. Die Hamburger Jungsozialdemokraten haben Hauke Wagner nominiert, er wird der als realpolitisch bezeichneten Pragmatischen Linken zugerechnet. Die bayerischen Jusos schicken Johanna Uekermann ins Rennen - eine Vertreterin des linken Juso-Flügels, gern auch »Traditionalisten« genannt. Der bisherige Vorsitzende Sascha Vogt tritt beim Bundeskongress in Nürnberg nicht mehr an, es sei, heißt es in einer Erklärung des 33-Jährigen, an der Zeit, »eine deutliche Verjüngung« an der Verbandsspitze vorzunehmen.

Das könnte durchaus als Wahlempfehlung für Uekermann verstanden werden. Die Straubingerin ist 26 Jahre alt, ihr Mitbewerber Wagner bereits 31. »Das kann eine ganz knappe Hose werden«, zitiert das »Hamburger Abendblatt« den Sohn des früheren Hamburger SPD-Bausenators Eugen Wagner. Sein Vorbild sei Olaf Scholz, der einmal Jusos-Vizevorsitzende war und den Weg vom antikapitalistischen Stamokap-Flügel »nach oben rechts« in der SPD gegangen ist, wie Wagner sagt.

Er wolle die Jusos »öffnen«, eine Formulierung, die bereits in den vergangenen Jahren von Realo-Kandidaten für den Vorsitz gern benutzt wurde. Stichworte wie Wirtschaftsfreundlichkeit hört man auch von Wagner, er hat einer Zeitung gegenüber bedauert, dass »die Profiteure der Agenda-Politik« heute nicht mehr SPD wählen würden. Doch auch Wagner nimmt für sich eine »solidarische Kontinuität der guten Verbandsarbeit des letzten Jahres« in Anspruch. Das Werben für den Mindestlohn und die Bürgerversicherung gehört Wagner zufolge dazu.

Uekermann hat in ihrer Bewerbung eine »progressive jungsozialistische Politik« angekündigt und für die Fortsetzung der »inhaltlichen Erneuerung« plädiert. Die Jusos müssten zum Beispiel neue Antworten darauf geben, »wie gesellschaftlicher Zusammenhalt und Solidarität zusammengehen mit dem individuellen Anspruch, das eigene Leben frei und selbstbestimmt zu führen«. Für eine solidarische Gesellschaft brauche es »eine politische wie gesellschaftliche Mehrheit«. Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa sagte Uekermann, die Sozialdemokraten müssten sich daher für Rot-Rot-Grün öffnen: »Das darf vor einer Bundestagswahl nicht mehr ausgeschlossen werden.«

Juso-Chef Vogt hat seinen Jungsozialisten bereits den Hinweis hinterlassen, die Jusos seien »ein starker linker Verband«, und zwar einer, in dem viele junge Menschen »für eine bessere Welt« kämpften und sich dabei auch trauen würden, »diese Idee beim Namen zu nennen. Wir kämpfen für den Demokratischen Sozialismus«, so Vogt. Von Hauke Wagner, dessen Hamburger Juso-Verband sich mit Junger Union und Jungliberalen gegen den Volksentscheid über den Kauf der Energienetze in der Hansestadt wandte, würde man derlei eher nicht hören. Seine Kontrahentin Uekermann ist bereits stellvertretende Juso-Vorsitzende, das mag ein Vorteil sein. Allerdings sieht die studierte Politologin auch auf den Jugendverband »schwere Zeiten« zukommen. Die Rolle der Jungsozialisten im linken SPD-Spektrum muss neu bestimmt werden, umso mehr, seit die Differenzen dort immer deutlicher geworden sind.

Auch hatten die Jusos zuletzt vehement für die Beibehaltung des im Wahlprogramm formulierten Kurses der SPD plädiert und sind nun mit einer Parteispitze konfrontiert, die unter Aufgabe maßgeblicher Politikziele in eine Große Koalition strebt. Und so klang die Erklärung des Juso-Chefs nach dem zweiten Parteikonvent der SPD am vergangenen Sonntag fast schon ein wenig verzweifelt: »Wir müssen klar für den Politikwechsel stehen«, sagte Vogt. »Davon gibt es kein Abrücken.«

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