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Sachverstand statt Polemik

Jan van Aken hat Oskar Lafontaines Position zur Windkraft kritisiert. Dabei lässt er aber jede Logik vermissen. Eine Erwiderung

  • Von Dagmar Ensch-Engel
  • Lesedauer: 3 Min.

»Über Ästhetik lässt sich bekanntlich streiten« schreibt Jan van Aken in einem Kommentar zu einem Aufsatz, den Oskar Lafontaine im Feuilleton der FAZ veröffentlicht hat. Lafontaine bemüht aber nicht in erster Linie Hölderlin oder Banski, wie van Aken intendiert, sondern wendet sich gegen die Zerstörung der Skulpturenstraße »Steine an der Grenze« die auf Initiative des Bildhauers Paul Schneider geschaffen wurde. Das aber nur nebenbei. Bei der vermeintlichen Widerlegung der Argumente Lafontaines lässt van Aken aber jede Logik vermissen.

1. Lafontaine wende sich gegen den weiteren Zubau von Windkraftanlagen weil »die Windkraftbranche korrupt« sei. Auf eine solchen Begründung seiner Ablehnung käme Lafontaine nie. Da er weiß, dass viele Wirtschaftsbereiche korrupt sind, müsste er nach der Logik des stellvertretenden Parteivorsitzenden der Linken die Abschaffung alle dieser Wirtschaftsbereiche verlangen.

2. Van Aken bestreitet nicht, dass »mit jedem neuen Windrad mehr Kohle verfeuert würde«. Das liegt, so schreibt er weiter, »nicht an den Windrädern sondern an einer völlig verfehlten Politik… Der CO2-Ausstoß muss teurer werden, dann werden alle deutschen Kohlekraftwerke in Windeseile vom Markt verschwinden.« Wäre es da nicht logischer, wenn van Aken wie Lafontaine den Stopp des weiteren Zubaus von Windrädern verlangen würde bis der CO2- Ausstoß teurer geworden ist? Van Akens Hoffnung, dass dann »alle deutschen Kohlekraftwerke in Windeseile vom Markt verschwinden« werden, ist an Uninformiertheit und Naivität nicht zu überbieten. Was machen wir denn wenn der Wind nicht bläst und die Sonne nicht scheint? Die Fraktion Die Linke im saarländischen Landtag plädiert dafür, bevor die Stromerzeugungsanlagen aus erneuerbarer Energie weiter ausgebaut werden, Speicher zu entwickeln und Gaskraftwerke zu bauen.

3. Lafontaines Hinweis, dass die Windkraft nur einen Anteil von 1,3 Prozent an der Primärenergie habe, begegnet auf van Aken mit dem Argument der Äpfel und Birnen, die man nicht miteinander vergleichen könne. Und weiter: »Mit Windenergie kann ich halt nur Strom herstellen und nicht heizen oder Auto fahren, deshalb ist die einzige vernünftige Bezugsgröße hier der Anteil von Windkraft an der Stromerzeugung, nicht am gesamten Energieverbrauch.« Das ist nun wirklich eher lustig. Oder sollen wir die Elektromobilität, also umweltfreundliches Auto fahren, mit Strom aus konventionellen Kraftwerken ermöglichen?

4. Wir brauchen andere »Technologien« zitiert van Aken Lafontaine und kommt zu dem Ergebnis: »Mit anderen Technologien kann Lafontaine nur fossile Kraftstoffe oder Atomkraft gemeint haben und beides wäre falsch.« Hier zeigt sich, dass van Aken die energiepolitische Debatte doch besser den Umweltpolitikern der Fraktion überlassen sollte. Speichertechnologien brauchen wir wirklich und Gas ist ein fossiler Brennstoff und ohne diese Technologien werden wir beim Ausbau der erneuerbaren Energien nicht weiterkommen.

Den erkennbaren Wunsch van Akens sich auf Kosten Lafontaines zu profilieren kann ich verstehen. Wenn man dabei Erfolg haben will und Lafontaine »politischen Unsinn« vorwirft, darf man nicht energiepolitischen Unfug absondern.

Dagmar Ensch-Engel ist stellvertretende Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE im saarländischen Landtag. Sie hat sich bereits hier zu der Diskussion über Lafontaines Positionen zur Windkraft geäußert.

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