Zentralrat der Juden besorgt über Antisemitismus

Deutschland kann Graumann zufolge noch mehr Erinnerungsarbeit gebrauchen: »Mir ist ritualisiertes Gedenken lieber als planvolles Vergessen«

  • Lesedauer: 2 Min.

Düsseldorf. Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, hat anlässlich des Holocaust-Gedenktages vor einem möglichen neuen Antisemitismus gewarnt. »Sorgen macht mir vor allem, dass heutzutage das Wort ›Jude‹ auf deutschen Schulhöfen als Schimpfwort benutzt wird und es offenbar keinen groß zu kümmern scheint«, sagte Graumann der in Düsseldorf erscheinenden »Rheinischen Post«.

Der Zentralratspräsident zeigte sich alarmiert, dass es wieder Plätze in Deutschland gebe, an denen man jüdischen Menschen rate, lieber nicht hinzugehen beziehungsweise sich dort nicht mit jüdischen Symbolen wie Kippa oder Davidsternkette als Jude erkennbar zu machen. Die jüdische Gemeinschaft werde sich zwar niemals einschüchtern lassen, es sei aber wichtig, dass niemand in Deutschland eine solche Situation akzeptiere, verlangte Graumann.

Deutschland kann Graumann zufolge noch mehr Erinnerungsarbeit gebrauchen. »Mir ist ritualisiertes Gedenken lieber als planvolles Vergessen«, betonte er. Bei Umfragen zeige sich häufig, dass gerade in der jüngeren Generation die Kenntnisse über die NS-Zeit erschreckend gering seien. Die Erinnerung wachzuhalten, sei eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft: »Wir alle stehen in der Pflicht.«

An diesem Montag wird in ganz Deutschland mit zahlreichen Veranstaltungen der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Der seit 1996 gesetzlich verankerte Holocaust-Gedenktag erinnert an den 27. Januar 1945, als das Konzentrationslager Auschwitz von der Roten Armee befreit wurde. In NS-Konzentrationslagern wurden sechs Millionen Menschen ermordet. Ziel war die Vernichtung des europäischen Judentums. epd/nd

#ndbleibt – Aktiv werden und Aktionspaket bestellen
Egal ob Kneipen, Cafés, Festivals oder andere Versammlungsorte – wir wollen sichtbarer werden und alle erreichen, denen unabhängiger Journalismus mit Haltung wichtig ist. Wir haben ein Aktionspaket mit Stickern, Flyern, Plakaten und Buttons zusammengestellt, mit dem du losziehen kannst um selbst für deine Zeitung aktiv zu werden und sie zu unterstützen.
Zum Aktionspaket

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal