Folge 12: Geschichtsunterricht, der; Substantiv, maskulin.

Bildungslexikon

Mit der Neuzeit bildete sich »Geschichte« als eigenständige Disziplin heraus. Das Zeitalter der Aufklärung forderte ein säkularisiertes Bild von Welt, da das bis dahin gelehrte religiös geprägte Bild, nachdem die Welt und ihre Geschichte ein »Sündenfall« sei, der Vorstellung des vernunftbegabten, mündigen Menschen widersprach. Wilhelm von Humboldt prägte das Bildungsverständnis, nach dem sich der Mensch durch Aneignung alter Sprachen seiner Herkunft und damit seiner Identität bewusst wird. Noch heute gilt Geschichte als »Königsdisziplin«. Bekanntester Vertreter war Christoph Cellarius (1638-1707), auf den die Epocheneinteilung nach Altertum, Mittelalter und Neuzeit zurückgeht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Deutschland der Bildungsauftrag um Demokratie- und Menschenrechtserziehung erweitert. Individuelle Emanzipation und gesellschaftliche Kritikfähigkeit gerieten in den Fokus, verkümmerten aber häufig durch die strenge Ausrichtung auf kognitives Lernen. Durch die Hinwendung der Schule auf Kompetenzen des Lernenden steht heute der auf Verstand ausgerichtete Geschichtsunterricht zur Diskussion. Emotionale und ästhetische Zugänge wie auch multikulturelle Sichten werden zukünftig auch eine Rolle spielen und so den Geschichtsunterricht erweitern. tgn

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