Nur langsam kommen die Seeotter zurück

Vor 25 Jahren lief der Tanker »Exxon Valdez« vor Alaska auf Grund - die Folgen der Ölpest sind noch heute zu spüren

Das Unglück der »Exxon Valdez« ist 25 Jahre her. Eine der größten Ölkatastrophen der Geschichte hatte weitreichende Umweltfolgen, die juristischen Streitereien um Schadenersatz zogen sich über Jahre hin.

Im Prince-William-Sund von Alaska gibt es wieder eine gesunde Seeotterkolonie. Vor 25 Jahren waren 3000 Otter verendet, 40 Prozent der gesamten Population. Sie starben an den Folgen einer der größten Ölkatastrophen der Geschichte. Kurz nach Mitternacht lief am 24. März 1989 der Öltanker »Exxon Valdez« auf Grund. 40,8 Millionen Liter Rohöl liefen aus, verschmutzten die Küste von Südalaska. Damals ahnte noch niemand, dass die Umwelt Jahrzehnte brauchen würde, um sich von der Katas-trophe zu erholen. In kalten Gewässern dauert dies erheblich länger als etwa nach der Havarie der BP-Ölplattform »Deepwater Horizon« 2010 im subtropischen Golf von Mexiko.

»Bei den Seeottern haben wir die erste Erholung gegen 2009 entdeckt, zwei Jahrzehnte nach dem Auslaufen des Öls«, berichtet Biologin Brenda Ballachey. Seit 25 Jahren beobachten Experten den 2100 Kilometer langen Küstenstreifen, der durch Öl aus der »Exxon Valdez« verunreinigt wurde. Das 300 Meter lange Tankschiff hatte 163 000 Tonnen an Bord, als es auf Felsen an der Küste lief. Es wurde 2012 in Indien verschrottet.

Noch heute finden die Kontrolleure Reste des Exxon-Öls an der Küste von Südalaska. Die Herkunft lässt sich durch chemische Tests beweisen. »Ganz alte Verunreinigungen können immer noch Öl enthalten«, sagt Umweltexperte Christopher Reddy von der Woods Hole Oceanographic Institution in Cape Cod in Massachusetts. Die Forscher wurden selbst hunderte Kilometer südlich der Unglücksstelle fündig. Gail Irvine vom U.S. Geological Survey hält dies für genauso »bemerkenswert« wie die Tatsache, dass »das Öl kaum gealtert ist und so aussieht wie vor elf Tagen gefördert«.

Daher ist es auch wenig überraschend, dass die Auswirkungen des Unglücks in ganz Alaska zu spüren waren. Dies galt besonders für die Fischerei. Als Folge der Ölpest wurden 75 Prozent der Heringsbestände zerstört. Und die waren Nahrungsquelle für andere Fischarten, Seevögel, Otter und Wale.

Die Fischer mussten außerdem trotz Knappheit Preiseinbußen hinnehmen. Niemand wollte mehr den Fang aus der verseuchten Gegend kaufen. »Die Preise fielen ins Bodenlose«, klagt Bernie Culbertson, einer der Betroffenen. Ein Pfund Lachs habe vor dem Unglück 80 Cent eingebracht, danach nur noch acht. Ihn selbst habe das Unglück die Existenz in Alaska gekostet. Seine Ehe ging in die Brüche, als er überschuldet in Kalifornien neu anfangen wollte. Die Entschädigungsschecks von Exxon seien zu spät gekommen.

Der Ölkonzern bezahlte insgesamt 900 Millionen Dollar an Entschädigungen für die Katastrophe. Die Summe wurde 2008 vom Obersten Gericht gedeckelt, nachdem sich Exxon gegen höhere Summen zur Wehr gesetzt hatte. Doch das Thema ist noch nicht vom Tisch: In einer Vereinbarung mit der US-Regierung hat die Ölfirma einer Wiedereröffnungsklausel zugestimmt, nach der Geld von Exxon verlangt werden darf, wenn weitere Kosten für die Reinigung der Küsten entstehen. 2006 verlangte die Regierung von Präsident George W. Bush 92 Millionen Dollar. Die Obama-Administration lässt diese Sache aber in der Schwebe. Umweltschützer und auch die Regierung des Bundesstaates Alaska drängen Washington jetzt aber, fällige Summen endlich einzufordern. Biologieprofessor Rick Steiner von der University of Alaska meint: »Jeder Tag, den die Regierung verstreichen lässt, ist ein Tag, an dem küstennahe Tiere wie Seeotter, Vögel und Fische dem giftigen Öl aus der Exxon Valdez ausgesetzt sind.« Steiner hat sogar errechnet, dass mittlerweile 35 Millionen Dollar an Zinsen auf die 2006 erhobene Regierungsforderung aufgelaufen seien.

Alaska will trotz des Unglücks vor 25 Jahren wieder an seine goldene Vergangenheit als größter Ölstaat der USA anknüpfen. In den Vereinigten Staaten boomt der Energiesektor wieder, auch durch das Fracking von Schiefergas und -öl in Texas und anderen Bundesstaaten. Alaska war in den 1980er Jahren Spitzenproduzent mit zwei Millionen Barrel (à 159 Liter) Rohöl am Tag. Heute liegt es auf Platz vier, pumpt nur noch 500 000 Barrel täglich aus dem Boden. Kürzlich haben die Konzerne ConocoPhillips und BP die Erweiterung ihrer Ölanlagen in Alaska angekündigt. Zwei neue Bohrinseln und zwei Quellen an Land sollen erschlossen werden.

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