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MH370: Wochenlange Suche an der falschen Stelle?

Angenommene Flugroute korrigiert - Wracksuche nun in einem Seegebiet 1100 Kilometer weiter nordöstlich / Millionenklagen gegen Malaysia Airlines vorbereitet

Perth. Trotz neuer Satellitenbilder bleibt die Suche nach dem verschollenen malaysischen Flugzeug schwierig. Die Fotos aus dem All lassen Trümmerteile vermuten, doch keines der Objekte konnte bis Donnerstag geborgen werden. Damit bleibt das Schicksal der seit fast drei Wochen verschwundenen Boeing mit 239 Menschen an Bord letztlich ungewiss. Ein thailändischer Satellit erfasste Medienberichten zufolge unweit des Suchgebiets etwa 300 treibende Objekte. Die Bilder seien am vergangenen Montag gemacht worden, zitierte die Zeitung »The Nation« den Geschäftsführer der Geo Informatics and Space Technology Development Agency, Anond Snidvongs, am Donnerstag auf ihrer Webseite. Die Fundstelle sei etwa 2700 Kilometer vom australischen Perth und rund 200 Kilometer von jenem Gebiet entfernt, an dem die Absturzstelle vermutet werde, sagte Anond. Einige der Teile seien mehr als zwei Meter lang.

Derweil haben Experten ihre Annahmen zu dem Irrflug der Maschine korrigiert. Womöglich suchten Aufklärungsflugzeuge zwei Wochen an der falschen Stelle im Indischen Ozean. Die australische Seesicherheitsbehörde (Amsa) dirigierte die Maschinen am Freitag um in ein Seegebiet 1100 Kilometer weiter nordöstlich. Das neue Suchgebiet liegt näher an Australien. Es sei etwa 1850 Kilometer westlich von Perth, teilte die Amsa mit. Das bedeutet kürzere Anflugzeiten und entsprechend mehr Suchstunden, weil die Maschinen weniger Treibstoff für den Rückflug benötigen. Das neue Suchgebiet ist mit 319 000 Quadratkilometern etwa so groß wie ganz Deutschland ohne Bayern.

»Die neuen Informationen basieren auf der andauernden Analyse von Radardaten zwischen dem Südchinesischen Meer und der Straße von Malakka, bevor der Radarkontakt zur Maschine abbrach«, hieß es in einer Amsa-Mitteilung weiter. »Sie legen nahe, dass die Maschine schneller flog als bislang geschätzt und dass sie dadurch mehr Treibstoff verbrauchte. Das reduziert die Distanz, die sie Richtung Indischer Ozean zurücklegen konnte.« Unklar ist, warum die Analyse fast drei Wochen dauerte. Flug MH370 mit 239 Menschen an Bord war am 8. März vom Radar verschwunden. Die Maschine war auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking. Die Boeing stürzte nach Überzeugung der Ermittler nach stundenlangem Irrflug im Indischen Ozean ab.

Chinesische Versicherer begannen unterdessen mit der Auszahlung von Entschädigungen an die Familien von Passagieren des Flugs MH370. Die Airline richtet sich auf Klagen ein, wie eine Sprecherin sagte. In den USA sollen nach Medienberichten Millionenklagen gegen Malaysia Airlines vorbereitet werden. Eine Anwaltskanzlei aus Chicago rechne damit, dass sich jede zweite betroffene Familie einer Sammelklage anschließe, berichtete die malaysischen Zeitung »The Star«. Sie bezog sich auf eine Anwältin, die in Kuala Lumpur mit Reportern gesprochen habe. Eine Sprecherin der Airline sagte, dies sei das gute Recht der Angehörigen. »Wir setzen uns damit auseinander, wenn es kommt.« Eine Sprecherin des Gerichts in Chicago sagte der Nachrichtenagentur dpa, dass bisher keine Klage eingegangen sei.

Die USA schickten unterdessen ein weiteres Aufklärungsflugzeug nach Australien, um die Suche nach dem seit fast drei Wochen verschollenen malaysischen Passagierflugzeug zu unterstützen. Eine zweite, auf Aufklärung spezialisierte Maschine vom Typ P-8 Poseidon soll am Freitag in Perth eintreffen, um an der internationalen Suchaktion teilzunehmen, wie die US-Marine am Donnerstag mitteilte. Ein P-3C Orion-Flugzeug, das im Indischen Ozean nach Hinweisen auf die Boeing mit 239 Menschen an Bord gesucht hatte, soll an seinen Stützpunkt in Japan zurückkehren. dpa/nd

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