Leser wandern zum Brauhaus Spandau

In einer ehemaligen Dampfwäscherei wird seit fast 20 Jahren besonderes Bier gemacht und getrunken

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.
Die nd-Wanderung am 13. April startet von 8 bis 11 Uhr am S-Bahnhof Pichelsberg. Sie führt zum Brauhaus Spandau, wo wir Brandenburgs Finanzminister Christian Görke zum Gespräch erwarten.

»Wir sind die Kompetenz in Bier. Es gibt wenige, die so viel für Bier machen wie wir«, formuliert Betriebsleiter Günther A. Sackel. Am 1. Dezember 1994 eröffnete das Brauhaus Spandau. Vorangegangen war ein jahrelanger, komplizierte Umbau. Denn das Gebäude an der Neuendorfer Straße 1 beherbergte einst eine Heeresdampfwäscherei und steht unter Denkmalschutz.

Nun befindet sich hier seit nahezu 20 Jahren eine gemütliche Gasthausbrauerei. Das bedeutet hier, der Braumeister und sein Geselle arbeiten hinter Glas im Schankraum, die Tische sind um einen Teil der Anlagen herum gruppiert. Das fertige Spandauer Havelbräu und wird bis zu den Zapfhähnen an der Theke geleitet. Im Angebot ist außerdem ein alle ein bis bis zwei Monate wechselndes Spezialbier, darunter das Potz-Blitz-Bier, das mit dunklem Gerstenmalz gebraut wird und entsprechend feinbitter schmeckt, oder das Märzen, ein Bier mit hoher Stammwürze von 13 Prozent, dass sich deswegen auch ohne Kühlung länger hält. Deswegen wurden solche Biere einstmals im Frühjahr gebraut, bis 1877 die Kühlmaschine patentiert wurde.

Gruppen ab zehn Personen können sich für einstündige Führungen im Brauhaus anmelden. Das kostet pro Nase 5,90 Euro. Wem das Zusehen allein nicht genügt, der kann für 74 Euro sogar einen Braukurs buchen. Gewöhnlich finden diese Kurse dienstags statt. Dann erklärt der Braumeister die Bierherstellung und die Kursteilnehmer dürfen ein wenig helfen.

Ein bis zweimal in der Woche wird Bier gebraut, im Sommer sogar dreimal. Der Jahresausstoß liegt bei etwa 2500 Hektolitern. 95 Prozent davon werden im Brauhaus selbst ausgeschenkt, nur ein geringer Teil wird an einige wenige Kneipen in Spandau geliefert. Es ist auch möglich, sich einen urigen Siphon zu kaufen und sich immer wieder für zu Hause nachfüllen zu lassen.

»Wir brauen ein Premiumbier, das seinen Preis hat«, sagt Betriebsleiter Sackel. Er weiß, dass fünf Liter gewöhnliches Bier im Discounter für weniger als sechs Euro zu haben sind. Für die selbe Menge Spandauer Havelbräu müssen 15,55 Euro hingelegt werden. Dafür ist es aber auch ein ganz hervorragendes Bier, rühmen Stammgäste. Es kommen sogar Besucher aus dem Ausland, zum Beispiel aus Dänemark und Italien.

Spandau hat eine alte Brautradition. Ebenfalls an der Neuendorfer Straße befand sich bereits im 19. Jahrhundert eine große Brauerei, die sehr lange als Schultheiss-Brauerei firmierte. Doch 1992 legte der Konzern Brau und Brunnen den Standort still, so dass es dann gar keine Brauerei mehr in Spandau gab. Im selben Jahr kamen deshalb die Eigentümer der Brauhaus in Spandau GmbH auf die Idee, ihre private Gasthausbrauerei einzurichten.

Solche Gasthausbrauereien gibt es auch anderswo. Das Besondere in Spandau sei die authentische Art des Brauens, erzählt Sackel. Das kleine Unternehmen kann noch wachsen. Die Kapazität liegt bei 5000 Hektolitern im Jahr. Der Ausstoß könnte also problemlos verdoppelt werden.

Brauhaus Spandau, Neuendorfer Str. 1, täglich ab 10 Uhr , Fr. und Sa. bis 1 Uhr, sonst bis 24 Uhr, Tel.: (030) 353 90 70, brauhaus-spandau.de

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