Neun Millionen schwerer Meilenstein

Allianz kauft Namensrecht der Frauenfußball-Bundesliga

  • Frank Hellmann, Mannheim
  • Lesedauer: 3 Min.

Vier grelle Scheinwerfer richteten sich auf das gläserne Podium im Saal Bruno Schmitz des Congress Centers Rosengarten direkt am Mannheimer Wasserturm, als Wolfgang Niersbach und Bernd Heinemann sich am Donnerstagnachmittag noch einmal symbolisch die Hände schüttelten. Sodann zeichneten der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und das Vorstandsmitglied Markenmanagement der »Allianz« ein Vertragswerk ab, das mit einem vierjährigen Vorlauf zustande gekommen ist, um die Frauen-Bundesliga auf eine neue Entwicklungsstufe zu hieven.

Die »starke Allianz« (O-Ton Niersbach) umfasst ab der nächsten Saison die höchste Frauen-Spielklasse, an der der Versicherungskonzern das Namensrecht erwirbt. Das Unternehmen mit Hauptsitz in München firmiert bislang als offizieller Versicherer des Verbandes und als größter Sponsor der Frauen-Nationalmannschaft. Die neue Partnerschaft gilt gleich bis 2019 und soll dem DFB nach Informationen von »neues deutschland« über die Vertragsdauer rund neun Millionen Euro einbringen. Der DFB-Boss sprach von einem »Meilenstein«. Niersbach: »Diesen Schritt sind wir noch nirgendwo anders eingegangen. Wir hätten bei einem kurzfristigen Engagement nicht eingewilligt. Der Betrag wird weitgehend den Vereinen zufließen.«

Jeder Klub kann pro Saison umgerechnet mit rund 100 000 Euro Sponsorengeld zusätzlich rechnen, muss dafür aber auch einige Bandenflächen und einen Trikotärmel als Plattform bereitstellen. Zudem sind weitere umfangreiche Werbemaßnahmen geplant. Der DFB stellt eigens einen Mitarbeiter in seiner Marketingabteilung ein, um die »Aktivierungsmaßnahmen zu unterstützen«, wie es im Branchenjargon heißt. Der fußballaffine Allianz-Konzern, der zuletzt auch Namensrechte an neuen Stadien in Nizza und Sao Paulo und Anteile an der FC Bayern AG erworben hat, sieht nach Aussage von Heinemann »eine fantastische Plattform für Marketingaktivitäten.« Eine eigene Facebook-Seite soll nur der Anfang sein.

Auch die am Vormittag in einem Workshop informierten Vereinsvertreter zeigten sich hochzufrieden: Die Einnahmen werden in der zwölf Klubs umfassenden Spielklasse zu gleichen Anteilen verteilt und ermöglichen vor allem jenen Vertretern, hinter denen kein großer Lizenzverein wie beim VfL Wolfsburg oder Bayern München steht, eine größere Planungssicherheit. »Die solidarische Verteilung der Werbeerlöse wird mit dazu beitragen, dass sich die zwölf Ligafilialen im Gleichschritt weiterentwickeln«, sagte Siegfried Dietrich, Manager beim 1. FFC Frankfurt. Der Branchenkrösus kann bereits auf eine bestehende Kooperation mit der Allianz verweisen. Dietrich sagt, er hätte dem Deal auch zugestimmt, wenn noch Allianz-Konkurrent Generali der FFC-Hauptsponsor gewesen wäre: »Hier geht es um die wirtschaftliche Stabilität der gesamten Liga.«

DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg sprach von einem »wichtigen Signal eines Weltkonzerns.« Jeder Frauen-Bundesligist hat ab der nächsten Saison also 280 000 Euro - 180 000 aus den TV-Verträgen, 100 000 Euro vom Ligasponsor - sicher, um seinen Spielbetrieb zu finanzieren. Dazu kommen Zusatzeinnahmen durch die seit dieser Spielzeit angebotenen Liveübertragungen der Samstagspiele beim Spartensender »Eurosport«. Der durchschnittliche Etat der Erstligisten lag zuletzt bei rund 900 000 Euro, davon gingen etwa 60 Prozent für die Personalkosten drauf.

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