»So haben wir keine Chance«

Münchens Trainer Pep Guardiola sucht nach dem 0:3 gegen Dortmund die Schuld bei sich

  • Elisabeth Schlammerl, München
  • Lesedauer: 3 Min.
München lernt das Wort Krise neu: Nach der zweiten Niederlage in der Liga in Folge, sorgt sich der FC Bayern um die Champions League.

Im Verein traut sich niemand, das böse Wort in den Mund zu nehmen. Es gibt Spieler beim FC Bayern München, die haben es in ihrer Zeit beim Triplesieger noch nie gehört und sind vermutlich sicher, dass es das in diesem Verein gar nicht gibt. Mario Mandzukic zum Beispiel, Mario Götze oder Dante. Ziemlich sicher ist, dass auch Pep Guardiola die deutsche Übersetzung nicht kennt. Tatsächlich wurde das Wort aus Mangel an Vorkommnissen vor beinahe zwei Jahren aus dem Vokabular der Bayern gestrichen. Nun aber ist sie wieder da - die Krise. Nach dem 0:3 gegen Borussia Dortmund am Samstagabend, der zweiten Liga-Niederlage nacheinander und der höchsten seit sechs Jahren, wird im Umfeld des Klubs wieder darüber geredet.

Dass die Partie gegen Dortmund trotz beschränktem sportlichen Wert eine besondere Brisanz birgt, das begriff sogar Guardiola, obwohl er damals, als die Westfalen zwei Jahre lang die Bayern gedemütigt hatten, noch in Barcelona beschäftigt gewesen war und sich für die Bundesliga nur am Rande interessiert hatte. Zum ersten Mal gibt er zu, dass es nicht so läuft, wie er sich das vorstellt. Der Trainer sieht aber ein grundsätzliches Problem, »und das hat nichts mit der Taktik oder Kondition oder dass der eine oder andere Spieler nicht gespielt hat, zu tun«, sondern mit mangelnder Einstellung. Gegen Dortmund ließen sich die Bayern einfach überlaufen, agierten zu zögerlich im Zweikampf und ermöglichten so Henrikh Mkhitaryan, Marco Reus und Jonas Hofmann die Tore. »Die Gier ist aktuell nicht so da«, findet Thomas Müller. Und ein bisschen ist daran auch Guardiola schuld.

Natürlich ist es noch kein höchst besorgniserregendes Formtief, immerhin haben die Bayern unter der Woche Manchester United nach anfänglichen Probleme doch noch ziemlich souverän aus der Champions League geworfen. Bisher ist es nur eine Bundesliga-Krise, die aber wie eine Seuche übergreifen könnte auf die anderen Wettbewerbe. Am Mittwoch spielen die Münchner gegen den Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern um den Einzug ins Pokalfinale und eine Woche später steht das erste Halbfinale in der Champions League gegen Real Madrid an. »Nach der Meisterschaft in Berlin war bei uns die Luft raus«, gibt Guardiola zu. Es sei ja normal, findet er, dass die Anspannung ein bisschen nachgelassen habe, »aber nicht so. So haben wir keine Chance gegen Real«, fürchtet er. Sportvorstand Matthias Sammer verhält sich erstaunlich ruhig, bezeichnete das Ergebnis als »ein bisschen ärgerlich« und wies darauf hin, dass die Spieler keine Roboter seien.

Vielleicht würden die Probleme in der Bundesliga tatsächlich als Fluch des frühen Titelgewinns abgetan werden, wäre da nicht das vergangene Jahr, unter Trainer Jupp Heynckes. Damals waren die Bayern auch früh Meister geworden, eine Runde später nur als dieses Mal, aber sie machten danach in der Liga so weiter, als ob es noch um die Schale ginge. Auf die Idee, ein lustloser Meister würde den Wettbewerb verzerren, konnte damals die Bundesliga-Konkurrenz erst gar nicht kommen.

Der kleine aber vielleicht entscheidende Unterschied war, dass Heynckes damals im Gegensatz zu Guardiola in diesem Jahr nie öffentlich erklärt hatte, dass die Bundesliga vorbei sei und der Titel im Museum. Er ließ wissen, dass es mit Blick auf Pokal und Champions League wichtig sei, die Anspannung hochzuhalten, trotz Dosierung der Einsatzzeiten seiner Leistungsträger. Guardiola dachte dagegen, dass es auch Erholungsphasen für den Kopf bedarf, um das Triple zu wiederholen. Nun kommen ihm erste Zweifel an seiner Strategie. »Wir haben den Rhythmus verloren«, gibt er zu. Mit seinem Trainerteam werde er sich besprechen »und überlegen, was wir machen und sofort reagieren.« Den Schlendrian wieder auszutreiben, dürfte Guardiolas schwierigste Aufgabe bisher beim FC Bayern sein.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal