Massenhinrichtung von Boko-Haram-Anhängern
Amnesty wirft Nigerias Armee massive Menschenrechtsverletzungen vor / Beweise durch Videoaufnahmen
Berlin. Uniformierte prügeln auf Gefangene ein. Einem Mann wird die Kehle durchgeschnitten und wird dann in ein Massengrab geworfen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat am Dienstag erschütternde Bilder über Menschenrechtsverletzungen in Nigeria veröffentlicht, begangen durch nigerianische Soldaten an Anhängern von Boko Haram. Amnesty wirft der nigerianischen Armee »massive Verletzungen der Menschenrechte« im Kampf gegen die islamistische Gruppeim Nordosten des Landes vor. Die Videoaufnahmen, Bilder und Zeugenaussagen aus dem Bundesstaat Borno lieferten »neue Beweise für außergerichtliche Hinrichtungen und schwere Menschenrechtsverstöße«, erklärte Amnesty am Dienstag. »Die schockierenden neuen Beweise belegen erneut die entsetzlichen Verbrechen, die völlig hemmungslos von allen Seiten in dem Konflikt begangen werden«, kommentierte Amnestys Generalsekretär Salil Shetty den Bericht.
Seit einem Angriff Boko Harams auf Armee-Unterkünfte im März habe es mehr als 600 solcher Hinrichtungen gegeben, hieß es weiter. Ein Sprecher der Streitkräfte wies die Vorwürfe zurück und kündigte zugleich eine Untersuchung an. Laut Amnesty wurden seit Jahresbeginn im Konflikt zwischen der Armee und Boko Haram mehr als 4000 Menschen getötet.
Boko Haram kämpft in Nigeria für die Errichtung eines islamischen Staates. International Schlagzeilen machte Boko Haram auch mit der Entführung von 276 Mädchen Mitte April aus einer Schule im Ort Chibok. Noch immer befinden sich mehr als 200 Schülerinnen in der Gewalt der Islamisten.
Schon im vergangenen Jahr berichtete die Menschenrechtsorganisation über die gezielte Ermordung von Boko Haram-Anhängern in nigerianischen Gefängnissen. Allein im ersten Halbjahr 2013 seien mehr als 950 Menschen in Haft ums Leben gekommen. nd/ mit Agenturen
Andere Zeitungen gehören Millionären. Wir gehören Menschen wie Ihnen.
Die »nd.Genossenschaft« gehört ihren Leser:innen und Autor:innen. Sie sind es, die durch ihren Beitrag unseren Journalismus für alle zugänglich machen: Hinter uns steht kein Medienkonzern, kein großer Anzeigenkunde und auch kein Milliardär.
Dank der Unterstützung unserer Community können wir:
→ unabhängig und kritisch berichten
→ Themen ins Licht rücken, die sonst im Schatten bleiben
→ Stimmen Raum geben, die oft zum Schweigen gebracht werden
→ Desinformation mit Fakten begegnen
→ linke Perspektiven stärken und vertiefen
Mit »Freiwillig zahlen« tragen Sie solidarisch zur Finanzierung unserer Zeitung bei. Damit nd.bleibt.