Warten auf den heil(ig)en Rücken

Der gesamte Golfzirkus hofft aus sportlicher - und monetärer - Sicht auf eine schnelle Rückkehr von Tiger Woods

  • Von Oliver Händler
  • Lesedauer: 3 Min.
Bis zum ersten Abschlag bei der PGA Championship bleibt unsicher, ob Superstar Tiger Woods am vierten Major-Turnier des Jahres teilnimmt. Ohne ihn fürchtet der Sport um viel Geld und Medieninteresse.

Das letzte Major-Turnier des Jahres steht an, und die Golfwelt spricht nur über einen, der an diesem Donnerstag womöglich gar nicht an den Start geht: Tiger Woods. Der US-Superstar war am Sonntag beim Einladungsturnier in Akron (Ohio) - mal wieder - wegen Rückenbeschwerden ausgestiegen und nun fragen sich Kommentatoren, Kollegen und Sponsoren, ob Woods in Kentucky zur PGA Championship zurückkehren wird.

An der Antwort hängen sportliche und - nicht weniger wichtig im modernen Golfsport - wirtschaftliche Aspekte. Tritt Woods nicht an, ist die Saison für ihn beendet. Für das Finale des FedEx-Cups kann er sich nur noch mit einem Sieg in Valhalla qualifizieren. Ansonsten bliebe nur noch der Ryder Cup: jenes Duell zwischen den jeweils zwölf besten Golfern aus den USA und Europa, das alle zwei Jahre die Golffans elektrisiert. Woods ist ohnehin schon auf eine von drei Wildcards des US-Kapitäns Tom Watson angewiesen. Der hatte stets signalisiert, Woods nur zu nominieren, »wenn er gesund und in Form ist«. Startet Woods diese Woche nicht, bleibt zunächst fraglich, ob er bis Ende September noch fit werden kann. Und seine Form kann er Watson bis dahin auch nicht mehr beweisen.

Dabei war Woods erst Ende März wegen eines eingeklemmten Nervs am Rücken operiert worden, hatte monatelang pausiert und bereits die ersten beiden Majors verpasst. In dieser Phase mussten die Fernsehsender stark sinkende Einschaltquoten verzeichnen, denn auch 18 Jahre nach seinem Karrierestart bleibt der Kalifornier das Zugpferd des Sports.

Ohne ihn befürchtet die Szene einen Abfall des öffentlichen Interesses und damit einhergehend der üppigen Sponsoreneinnahmen. Die Preisgelder sind seit Woods’ Auftauchen ins Astronomische gestiegen. Auch die Zahl junger Golfer, die ihm nacheifern, wuchs stetig. Nicht zuletzt aufgrund dieses Woods-Effektes wurde Golf ins olympische Programm der Sommerspiele 2016 von Rio aufgenommen. Woods soll dem IOC den Glanz zurückbringen, den die 1992 erstmals zugelassenen Profibasketballer Michael Jordan und Magic Johnson in Barcelona verbreiteten.

Für Ryder-Cup-Kapitän Watson wäre ein Aus von Woods die zweite Hiobsbotschaft binnen weniger Tage, nachdem bereits der Weltranglisten-17. Dustin Johnson in der Vorwoche nach einem abermals positiven Drogentest auf Kokain seine Saison hatte vorzeitig beenden müssen. Letztlich wird Watson trotzdem eine starke Mannschaft nominieren können, und ganz so schlimm muss es gar nicht laufen: Von den acht Ryder Cups in der Woods-Ära gewannen die Amerikaner nur zwei: 1999 und 2008. Beim letzten Erfolg fehlte Woods ebenfalls - wegen einer Knieverletzung.

Bis Dienstag mussten sich alle Golfer in Valhalla anmelden. Woods beantragte eine Ausnahme, die ihm gewährt wurde. Jetzt muss er nur noch um 8.35 Uhr Ortszeit am Abschlag auftauchen. Das US-Fernsehen wird den Moment live übertragen.

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