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Marktförmige Extremisten

Mitte-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt Rückgang rechtsextremer Einstellungen in Deutschland / Verlagerung in »subtile Formen rechtsextremen und menschenfeindlichen Denkens« / Deutlicher Anstieg des Antisemitismus zwischen Juni und September 2014

Gehen rechtsextreme und menschenfeindliche Einstellungen in Deutschland zurück - oder wandeln sie sich nur? Eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zeichnet ein komplexes Bild. Mit erschreckenden Facetten und einer AfD als Scharnier zwischen Bedrohungsängsten und »marktförmigen Extremismus«

Das Bild, das sich aus der Studie »Fragile Mitte - Feindselige Zustände« der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) ergibt, ist komplex: Insgesamt seien rechtsextreme und menschenfeindliche Einstellungen in Deutschland gegenüber den Vorjahren deutlich zurückgegangen. Allerdings ist die Zustimmung zu einzelnen Aussagen, die für ebenjene Einstellungen stehen, nach wie vor sehr hoch. Rund die Häfte der Deutschen betrachtet Langzeitarbeitslose oder asylsuchende Menschen abwertend. Und den erfragten Rückgang menschenfeindlicher Einstellungen erklären die Forscher auch »mit einer verstärkten Kommunikationslatenz« - rechte oder menschenfeindliche Einstellungen sind zwar vorhanden, werden aber nicht zugegeben, sie sind also Teil einer versteckten Agenda.

Wie 2012 sind laut FES rechtsextreme Einstellungen in allen Dimensionen im Osten Deutschlands stärker verbreitet als im Westen, allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau. Ähnliches zeige sich bei »gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit«. Dies gehe aber einher mit einer Verlagerung in subtile Formen menschenfeindlichen und rechtsextremen Denkens, besonders sei dies beim Thema Antisemitismus zu beobachten: Israelbezogener Antisemitismus erhält laut FES viel mehr Zuspruch als klassische judenfeindliche Vorurteile. Zudem habe der klassische Antisemitismus zwischen der Hauptbefragung im Juni 2014 und der nach den Ereignissen des Sommers (Gaza-Krieg) veranlassten Nachbefragung im September 2014 signifikant zugenommen. Problematisch ist laut Forschern ferner, dass sich in ihren Ergebnissen eine Entdifferenzierung von Antisemitismus und sachlicher Israelkritik andeutet.

Auffällig verbreitet sind laut FES extrem marktförmige Einstellungen zur Gesellschaft, die die Sozialwissenschaftler als »marktförmigen Extremismus« bezeichnen: Dieser bewertet Wettbewerb und Fortschritt höher als Solidarität und Gleichwertigkeit. Es zeige sich, dass extremes Effizienzdenken eng mit rechtsextremen Ideen zusammenhängt, so die Studie: Menschen, die marktförmigen Extremismus befürworteten, tendierten auch stärker als andere dazu, den Aussagen zum Rechtsextremismus zuzustimmen.» Die AfD scheint als politisches Sprachrohr die Verbindung von Bedrohungsängsten und marktförmigem Extremismus zu kanalisieren: AfD-Anhänger fühlten sich erheblich stärker bedroht und vertreten signifikant stärker marktförmigen Extremismus als der Bevölkerungsdurchschnitt«, so das Fazit der FES .Auch stimmten sie ähnlich wie Nicht-Wähler besonders rechtsextremen und menschenfeindlichen Einstellungen zu. stf

Für die Umfrage 2014 wurden 1915 repräsentativ ausgewählten Personen, also 1007 Frauen (52,6 %) und 905 Männern (47,3 %) mit deutscher Staatsangehörigkeit von Juni bis August 2014 telefonisch befragt, im September 2014 gab es eine Nachbefrgung zum Thema Antisemitismus. Das Alter der Befragten reichte von 16 bis 95 Jahren, der Altersdurchschnitt lag bei 49,9 Jahren.

Die gesamte Studie finden sie hier, eine neunseitige Zusammenfassung hier.

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