Stadt der Genies - für eine Woche

Nobelpreisträger treffen sich in Lindau am Bodensee

  • Birgit Ellinger, Lindau
  • Lesedauer: 3 Min.

Das Treffen kluger Köpfe in Lindau hat eine lange Tradition: Seit sechs Jahrzehnten kommen dort jedes Jahr ein paar hundert Studenten mit Nobelpreisträgern zusammen - und eine Woche lang blickt zumindest die wissenschaftliche Welt interessiert auf die bayerische Bodenseestadt. Für Lindau ist dieses Treffen von großer Bedeutung, wie Oberbürgermeister Gerhard Ecker sagt. »Die Nobelpreisträgertagung trägt den Namen Lindau in die Welt. Der Werbeeffekt ist enorm.« Auch die Hoteliers freuen sich: Während der Tagungswoche ist der Bedarf an Betten groß. Die Betreiber kleiner Geschäfte dagegen merken wenig von dem Besuch der Wissenschaftler.

Um die Teilnehmer der 65. Nobelpreisträgertagung zu beherbergen, die am Sonntag beginnt und bis zum 3. Juli dauert, sind nach Angaben des Tagungs-Kuratoriums rund 850 Zimmer nötig. 40 Hotels und Ferienwohnungen in Lindau und Umgebung werden dafür genutzt. Rund 50 Nachwuchsforscher kommen in Gastfamilien unter.

Das Hotel von Erwin Brugger liegt nur 200 Meter von der Tagungshalle entfernt. 40 junge Wissenschaftler wird er eine Woche lang in seinem Haus beherbergen. Damit sind 20 seiner 23 Zimmer durch die Tagung belegt - so wie jedes Jahr. »Wir hatten bisher immer Gäste aus den USA bei uns, diesmal sind viele asiatische Namen auf der Gästeliste«, sagt Brugger. Er freue sich jedes Mal auf die hochrangigen wissenschaftlichen Besucher - auch wenn er nicht viel von ihnen hat. »Zum Frühstück sind sie da. Aber für den Rest der Zeit sind sie so eingebunden, dass sie eigentlich nur zum Schlafen wiederkommen.« Mancher Stipendiat komme allerdings später noch einmal zurück, um in Lindau Urlaub zu machen.

Wirtschaftlich gesehen profitiere in Lindau vor allem die Hotellerie von der Tagung, sagt Brugger. Von einigen Bürgern und Gastronomen hingegen seien Klagen zu hören, weil die Wissenschaftler in der Inselhalle rundum versorgt seien. »Die sind die meiste Zeit unter sich und kommen nur bedingt mit Einheimischen zusammen, das ist ein bisschen schade.« Dennoch sei es für die Stadt wichtig, sich eine Woche lang als Tagungsort präsentieren zu können. »Wir sind schon stolz darauf, dass die wissenschaftliche Crème de la Crème in Lindau verweilt.«

Wie OB Ecker sagt, ist die Nobelpreisträgertagung neben dem Bodensee-Marathon im Dreiländereck die herausragende Veranstaltung in der 25 000-Einwohner-Stadt Lindau. »Sie bringen der Stadt aber sicher nicht die Umsätze wie etwa die Lindauer Psychotherapiewochen mit mehr als 2000 Teilnehmern. Da ist richtig was los auf der Insel.« Dafür habe die Tagung der Nobelpreisträger eine globale Ausstrahlung, die durch moderne Medien und das wachsende Interesse von Journalisten immer weiter zunehme. »Die kann man nicht in Euro messen.«

65 Nobelpreisträger und rund 650 Nachwuchswissenschaftler aus 88 Ländern werden diesmal am Bodensee erwartet. Vor allem die jungen Wissenschaftler mit ihren einheitlichen Tagungstaschen und Ausweisschildern werden wieder für einige Tage das Bild der Straßen rund um die Inselhalle prägen. »Die kommen aus China, Indien, Äthiopien - eigentlich aus der ganzen Welt«, sagt Peter Fischer vom Souvenirladen gegenüber der Halle. »Es sind sehr angenehme Leute.« Er profitiere durchaus von der Tagungswoche, sagt Fischer. Vor allem die amerikanischen Studenten würden gerne Bierkrüge und Geschenkartikel aus Porzellan kaufen. dpa/nd

#ndbleibt – Aktiv werden und Aktionspaket bestellen
Egal ob Kneipen, Cafés, Festivals oder andere Versammlungsorte – wir wollen sichtbarer werden und alle erreichen, denen unabhängiger Journalismus mit Haltung wichtig ist. Wir haben ein Aktionspaket mit Stickern, Flyern, Plakaten und Buttons zusammengestellt, mit dem du losziehen kannst um selbst für deine Zeitung aktiv zu werden und sie zu unterstützen.
Zum Aktionspaket

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal