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Es fehlt eine Studentenkneipe

Die neue Medizinische Hochschule findet Anklang, das Nachtleben in Neuruppin noch nicht

  • Klaus Peters
  • Lesedauer: 3 Min.
Große Hoffnung setzen Krankenhäuser auf die neugegründete Medizinische Hochschule in Neuruppin. Denn auf dem Land wird der Ärztenachwuchs knapp.

Fabian Schipmann klingt begeistert, wenn er über seinen Start an Brandenburgs erster Medizinhochschule berichtet. »Meine Erwartungen wurden übererfüllt, wir haben Praxis von Anfang an, auch in den Seminaren«, sagt der 25-jährige Physiotherapeut aus dem westfälischen Detmold.

Gemeinsam mit 47 Medizin- und 24 Psychologiestudenten gehört er zum Gründungsjahrgang der Medizinischen Hochschule Brandenburg »Theodor Fontane« (MHB), die im April auf dem Gelände der Ruppiner Kliniken in Neuruppin startete. Einziger Wermutstropfen für Schipmann: »Das Studentenleben fehlt hier definitiv. Wir sind schon mal um 10 Uhr abends aus der Kneipe rausgeflogen.«

Die MHB wird von Kommunen und Kliniken getragen. Das Land setzt bei der Ärzteausbildung allein auf die Zusammenarbeit mit der Berliner Charité. Doch dies reiche schon lange nicht mehr aus, um den Ärztenachwuchs zu sichern, sagt Dekan Dieter Nürnberg. »Die Charité hat nicht so viel Wert darauf gelegt, die Ärzte zu motivieren, aufs Land zu gehen. In den letzten drei Jahren haben laut Landesärztekammer etwa 40 Studenten der Charité in Brandenburg als Ärzte angefangen, und zwar überwiegend im Berliner Umland.«

Die Hoffnung der MHB ist, dass ihre Studenten nach der jahrelangen Ausbildung in Brandenburg bleiben. Nach den ersten vier Semestern in Neuruppin wechseln die Studenten bis zum siebten Semester nach Brandenburg/Havel. Der Rest des Studiums bis zum zehnten Semester läuft dezentral an Studienorten im ganzen Land.

Aus Sicht der Landesregierung hat sich die Zusammenarbeit mit der Charité bewährt. Das Angebot der MHB beurteilt Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (SPD) distanziert: »Mit der MHB kann ein Beitrag dazu geleistet werden, die ärztliche Versorgung in unserem Land abzusichern.« Die MHB füge sich aber gut ein in das Konzept des Landes für die Gesundheitswirtschaft. »So haben wir die akademische Ausbildung im Bereich der Gesundheits- und Pflegeberufe an den staatlichen Hochschulen auf- und ausgebaut«, sagt Kunst.

Bei der Auswahl der Studenten setzt die MHB nicht auf ein Einser-Abitur, sondern auf junge Menschen mit guter Eignung für den Arztberuf und mit einschlägiger Berufserfahrung. So wie Bertram Otto aus Potsdam. Er hat schon vorher als Medizin-Controller im Krankenhaus gearbeitet. Auch Otto schätzt den hohen Praxisanteil im Studium. »Hier geht es um problemorientiertes Lernen«, sagt der 27-Jährige. »So bekommen wir die Schmerzsymptome einer Patientin beschrieben und müssen die Diagnose finden: Das ist ein Hüftbruch, da muss eine Schraube rein.«

Auch in den Seminaren ist neben dem Dozenten ein Professor aus der klinischen Praxis dabei, berichtet Student Schipmann. »Etwa im Physikseminar wird uns dann auch erklärt, wie wir das theoretische Wissen anwenden können, um einen Knochenbruch zu richten.«

Doch nicht nur Medizin wird in Neuruppin gelehrt, im April starteten außerdem 25 Psychologiestudenten. »Ich habe davon aus der Zeitung erfahren«, erzählt die 23-jährige Hannah Willett aus Bad Sobernheim in Rheinland-Pfalz. In der Psychologie sei die Ausbildung ebenfalls stark auf die Praxis ausgerichtet, lobt sie. Willett arbeitet einen Tag pro Woche auf einer Schizophreniestation. »Was mache ich, wenn der Patient mich nicht beachtet?«, beschreibt sie eine typische Situation. »Gehe ich auf ihn zu oder lass' ich ihn?« Für das beschauliche Neuruppin deuten sich mit der MHB neue Zeiten an. Von den 71 Studenten leben mehr als 50 in der Stadt. Für den nächsten Jahrgang Medizin im Frühjahr hat bereits die Bewerbungsphase begonnen. Auch für Psychologie sind zu diesem Herbst noch Anmeldungen möglich. »Es ist halt noch keine Studentenstadt, noch ist es etwas verschlafen«, sagt Willett. »Aber es gibt immerhin schon eine Eisbar und einen Dönerladen, die uns einen Studentenrabatt anbieten.« Mit einer Studentenkneipe könne es auch noch was werden, meint Otto. »Die gründen wir vielleicht selbst.« dpa

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