Neun Tote bei Anschlägen in Istanbul und im Südosten der Türkei

Zwei mutmaßliche Attentäter nach Anschlag auf Polizei getötet / Bombenanschlag auf Polizeiwache in Istanbul

  • Lesedauer: 3 Min.

Die eskalierende Gewalt in der Türkei hat nun auch die Metropole Istanbul erreicht: Zwei Anschläge erschütterten am Montag die Großstadt, mindestens vier Menschen kamen dabei ums Leben. Darunter war ein Angriff auf das US-Konsulat, bei dem niemand zu Schaden kam und zu dem sich die Gruppe DHKP-C bekannte. Im Südosten der Türkei wurden zudem fünf Sicherheitskräfte bei mutmaßlichen Anschlägen kurdischer Rebellen getötet.

In der Nacht zum Montag verübte ein Selbstmordattentäter einen Autobombenanschlag auf eine Polizeiwache im Stadtteil Sultanbeyli im asiatischen Teil Istanbuls, wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Dabei starb der Attentäter, zehn Polizisten wurden verletzt. Wenige Stunden danach gerieten Beamte der Spurensicherung unter Beschuss. Daraufhin entwickelte sich ein stundenlanges Feuergefecht zwischen Polizisten und den Angreifern, bei dem laut Behörden zwei Angreifer und ein ranghoher Polizist getötet wurden. Ein türkischer Regierungsvertreter machte die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) für das Selbstmordattentat verantwortlich.

Stunden später griffen Bewaffnete das schwer gesicherte US-Konsulat im Viertel Istinye im europäischen Teil der Stadt an. Die zwei Angreiferinnen konnten zunächst flüchten. Eine von ihnen wurde nach Behördenangaben kurze Zeit später verletzt festgenommen. Die marxistische DHKP-C, die bereits 2013 einen Selbstmordanschlag auf die US-Botschaft in Ankara verübt hatte, bekannte sich zu der Tat. Auf ihrer Internetseite schrieb die Gruppe, der Kampf werde weitergehen »bis der Imperialismus und seine Kollaborateure unser Land verlassen«. Das Konsulat wurde vorläufig geschlossen.

Im Südosten des Landes wurden bei einem Bombenanschlag in der Region Silopi in der an den Irak und Syrien grenzenden Provinz Sirnak mindestens vier türkische Polizisten getötet, wie die Nachrichtenagentur Dogan meldete. Örtliche Medien machten kurdische Rebellen für das Attentat verantwortlich.

Ein Soldat wurde zudem laut Dogan getötet, als PKK-Kämpfer einen Armeehubschrauber angriffen, der Soldaten in den Distrikt Beytussebap in Sirnak bringen sollte.

Die Serie von Angriffen erfolgte inmitten der Konfrontation zwischen türkischer Armee und der PKK sowie kurz nachdem die USA am Sonntag Kampfjets auf dem türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik für ihre Luftangriffe gegen die Extremistenorganisation Islamischer Staat (IS) in Syrien stationiert hatten.

Washington hatte den Nato-Verbündeten Türkei seit langem gedrängt, sich am Kampf gegen den IS zu beteiligen, worauf Ankara ausweichend reagiert hatte. Diese Haltung änderte sich nach einem Anschlag auf ein prokurdisches Treffen mit 32 Toten in der türkischen Stadt Suruc, für den die türkische Regierung den IS verantwortlich machte. Die Türkei flog daraufhin einige Luftangriffe gegen den IS in Syrien.

Gleichzeitig begann die Regierung mit Luftangriffen auf PKK-Stellungen im Nordirak. Dabei wurden nach amtlichen türkischen Angaben bisher 390 Kurdenkämpfer getötet. Bei landesweiten Razzien nahm die Polizei in den vergangenen Wochen zudem mehr als 1300 kurdische und linke Aktivisten fest.

Die PKK und die Türkei hatten nach dem Anschlag in Suruc ihren 2013 geschlossenen Waffenstillstand aufgekündigt. Die kurdischen Rebellen geben Ankara eine Mitschuld an dem Attentat. AFP/nd

Werde Mitglied der nd.Genossenschaft!
Seit dem 1. Januar 2022 wird das »nd« als unabhängige linke Zeitung herausgeben, welche der Belegschaft und den Leser*innen gehört. Sei dabei und unterstütze als Genossenschaftsmitglied Medienvielfalt und sichtbare linke Positionen. Jetzt die Beitrittserklärung ausfüllen.
Mehr Infos auf www.dasnd.de/genossenschaft

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal