Attentat aus Fremdenhass

Der Amokläufer in Schweden war offenbar ein Einzeltäter. Seine Tat hatte ein rechtsextremes Motiv

  • Bengt Arvidsson, Stockholm
  • Lesedauer: 3 Min.
Der Attentäter von Trollhättan war Rassist. Anton Lundin Pettersson wählte gezielt südländisch aussehende Opfer an der Schule für seine Hinrichtungen aus. Seine Eltern und Geschwister sind schockiert.

Das liberale Schweden steht einen Tag nach dem Schulamoklauf mit einem Schwert in Trollhättan unter Schock. Ein Lehrerassistent, ein Schüler und der Täter selbst starben. Ein weiterer Lehrer und ein Schüler wurden schwer verletzt. Alle Opfer hatten einen Migrationshintergrund.

Vor der Schule in dem sozialschwachen Stadtteil Kronagården mit vielen Einwanderern und neuangekommenen Flüchtlingen wurden Blumen abgelegt und Kerzen angezündet. Ministerpräsident Stefan Löfven besuchte die Schule noch am Donnerstag. Ein Krisenteam hilft Schülern und Angehörigen. Der verstorbene 21-jährige Täter Anton Lundin Pettersson war Einzeltäter und Rassist, sagte die Polizei am Freitag dieser Zeitung. »Der Täter handelte aus Fremdenhass. In seiner Wohnung fanden wir zahlreiche Indizien. Auch seine Aufmachung und Körpersprache bei der Tat wies darauf hin. Er wählte zudem seine Opfer nach ihrer Ethnizität aus«, sagt Tommy Nyman von der Polizei Västra Gotland. In seiner Wohnung wurde ein Bekennerschreiben gefunden. Auf Überwachungskameras der Schule marschiert der 21-Jährige in militärischem Stil durch die Schulkorridore. Man sieht, wie er sich freundschaftlich scherzend mit schwedisch aussehenden Schülerinnen unterhält und dann auf Personen mit dunklerer Haut einsticht.

Auch die YouTube- und Facebook-Konten des Täters legen, laut der Zeitung »Expo«, Zeugnis von seiner Bewunderung für Nazideutschland und seinem Hass gegenüber Muslimen und Einwanderern ab. Er folgte etwa dem Blog eines schwedischen Neonazis, der die Bedeutung der Rasse hervorhebt und vom »multikulturellen Höllenprojekt« spricht.

Der nicht vorbestrafte 21-Jährige wohnte sein Leben lang in Trollhättan. Seine Geschwister und Eltern sind überrascht und schockiert. Noch in der Schulzeit am technischen Gymnasium hatte er lange Haare, schwarze rockige Kleidung und war sehr an Musik interessiert. »Er war sehr freundlich. Er hatte absolut kein Interesse am Nazismus«, so ein Ex-Schulkamerad gegenüber der Zeitung »Aftonbaldet«. Erst nach der Schulzeit schwenkte er nach rechts.

Am Donnerstag ging er gegen zehn Uhr mit einem Helm, in Wehrmachtsuniform und einer an Star Wars angelehnten Maske in die Kronan-Schule. Er soll zeitweise über Kopfhörer laute Musik gehört haben, sagten Augenzeugen. Zunächst dachten einige Kinder laut Polizei, es sei ein verfrühter »Halloween-Scherz«. Zwei Kinder ließen sich gar mit ihm fotografieren. Ein misstrauischer Lehrer kam dazu, stellte ihn zur Rede. Darauf stach er auf den Lehrer ein. Dann begann er seinen Schwertangriff, bei dem er schwedisch aussehende Kinder verschonte. Der südländisch aussehende 20-jährige Lehrerassistent Lavin Eskander wollte Kinder im Schuleingangsbereich beschützen und stürzte sich auf den Angreifer. Er bezahlte dies mit dem Leben. »Mein Bruder ist ein Held. Er liebte die Kinder und war immer schon so uneigennützig«, sagte sein Bruder Leith.

Ein 41-jähriger Mathematiklehrer wurde im Eingangsbereich schwer verletzt. Der Täter marschierte systematisch die Klassenzimmer ab und klopfte an. Wenn Kinder mit südländischem Aussehen öffneten, stach er zu. So starb etwa der 15-jährige Schüler Ahmed Hassan nach Notoperationen im Krankenhaus. Vor drei Jahren war er mit seiner Familie als Flüchtling dem Bürgerkrieg in Somalia nach Schweden entkommen. Ein weiterer 15-jähriger Schüler, der in einem anderen Zimmer Gesellschaftskundeunterricht hatte, wurde schwer durch Schwerthiebe verletzt. Sein Zustand war am Freitag aber stabil. Es hätte noch mehr Opfer geben können. Viele Lehrer schlossen ihre Klassenzimmer aber ab.

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