Der DFB hat keine Zeit für Moral

Auch der FC Bayern spielt in der WM-Affäre mit

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 3 Min.

Der Deutsche Fußball-Bund lässt in der Affäre um die Vergabe der WM 2006 keine Möglichkeit aus, seine Unfähigkeit im Umgang mit dem Skandal zu beweisen. Der Rücktritt von Wolfgang Niersbach war eine große Chance - hatte doch gerade der Ex-Präsident eine schlechte Führungsfigur abgegeben. Kaum besser macht es einer der möglichen Nachfolger. Rainer Koch führt als Vizepräsident den DFB übergangsweise. Am Mittwoch sagte er: »Wolfgang Niersbach hat die sportpolitische Verantwortung für Vorgänge übernommen, an denen er - soweit wir das hier sehen können - in keiner Art und Weise persönlich beteiligt war. Deswegen ist deutlich und einstimmig im Präsidium gesagt worden, dass er seine Funktionen bei der UEFA und der FIFA als Vertreter des DFB für uns wahrnehmen soll.«

Der Skandal um den DFB und die Vergabe 2006 ist nicht mal ansatzweise aufgeklärt. Im Gegenteil, fast täglich kommen neue Details heraus. Zum Beispiel, dass der ehemalige FIFA-Vizepräsident Jack Warner ein geheimes Konto geführt haben und dessen Name laut FBI »LOC Germany 2006 Limited« lauten soll. LOC steht beim Fußballweltverband für »Lokales Organisationskomitee«. Niersbach war Vizepräsident des Organisationskomitees, zuvor auch Mitglied des Bewerbungskomitees. Handschriftliche Notizen von ihm soll es im Zusammenhang mit den 6,7 Millionen Euro, dem damaligen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus und dem FIFA-Konto geben. Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Steuerhinterziehung - die Steuererklärung des DFB trägt Niersbachs Unterschrift.

Den Verband scheint das alles nicht zu stören. Er lässt sich in den höchsten Gremien von UEFA und FIFA weiterhin von Niersbach vertreten. Spötter würden hier sicher einwenden, dass der 64-Jährige mit seiner Vorgeschichte doch ganz gut nach Nyon und Zürich passe. Den Pragmatikern beim DFB aber bleibt im Kampf um Nachfolge und Macht wohl einfach keine Zeit für so komplizierte Dinge wie Moral, Ethik, Good Governance. Es gibt schließlich viel zu tun.

Am Mittwoch kündigte Franz Beckenbauer, den nicht wenige für die Schlüsselfigur im WM-Skandal halten, neue Aussagen an. Fürchten muss sich der Verband davor nicht. Schließlich will er nur vor den vom DFB beauftragten Ermittlern sprechen.

Mahnende Worte an den Verband kamen am Mittwoch aus München. Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef des FC Bayern, würde sich beim DFB »einen etwas sensibleren Umgang mit der Person Franz Beckenbauer wünschen«. Warum? Weil er ihm viel zu verdanken habe. Im Jahr 2000 auch Stimmen für die WM in Deutschland, die der FC Bayern erspielt hat? Die Münchner traten im Januar 2001 zu drei Testspielen an - gegen Malta, Thailand und Tunesien. Sie alle wurden mit stimmberechtigten Exekutivmitgliedern der FIFA vereinbart, die Gastgeber erhielten gute Honorare. »250 000 Dollar sind vom Himmel in unsere Kasse gefallen«, sagte jüngst Norman Darmanin Demajo, damaliger Schatzmeister und jetziger Präsident von Maltas Fußballverband. Malta stimmte für die WM in Deutschland. Am Montag durchsuchte die Polizei in Valletta den Verbandssitz nach Hinweisen.

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