Verlockung des Geldes
Bernd Kammer sieht das Kind noch nicht in den Brunnen gefallen
Wenn es um den Schlossneubau ging, hatte der Bund schon immer die Spendierhosen an. Von den Gesamtkosten von derzeit 605 Millionen Euro zahlt er knapp 480 Millionen, 32 Millionen das Land, der Rest für Fassaden und Kuppel soll über Privatspenden hereinkommen. Aber was der Bundestag jetzt offeriert, könnte man auch als Danaergeschenk verbuchen, oder schlicht als Erpressung. Jedenfalls nicht unbedingt als vorteilhaft für den Beschenkten.
Dessen Planungen sehen vor, dass der Neptunbrunnen an seinem jetzigen Standort bleibt. Was ringsherum passieren soll, diskutiert der Senat gerade mit den Berlinern. Ende des Monats soll die erste Phase abgeschlossen, dann ein Ideenwettbewerb vorbereitet werden. Der Vorstoß der Schlossfreunde aus dem Bund kommt also nicht von ungefähr.
Fällt Berlin auf das finanzielle Lockmittel herein, hätte es sich das ganze Prozedere sparen können. Wandert der Neptunbrunnen vors Schloss, hätten die Nostalgiker auch zwischen Spree und Fernsehturm freie Hand. Dort steht der Neptunbrunnen in seiner zentralen Position den Wünschen nach historischer Bebauung im Weg. Noch ist das Kind nicht in den Brunnen gefallen. Der Stadtentwicklungssenator war bisher nostalgischer Anwandlungen eher unverdächtig und scheint das Votum der Stadtdebatte akzeptieren zu wollen. Dort war bisher der Tenor: Vor Fernsehturm und Rathaus macht sich der Brunnen auch ganz gut.
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