Das größte Potenzial seit 15 Jahren

Volleyballer Christian Dünnes ist mit einem Aufsteiger schon überraschend früh erfolgreich

Ist es schön, wieder in Berlin zu sein?

Eigentlich ja. Ich komme gern in die Stadt zurück, nachdem ich in der vergangenen Saison im Team der BR Volleys stand. Auch das Spiel heute Abend war gut, auch wenn am Ende nicht mehr alles geklappt hat. Wir haben mit dem großen Favoriten lange mithalten können.

Was fehlte zum Sieg?

Mein Angriff war nicht so gut wie sonst. Das liegt aber auch an der starken Verteidigung der Berliner, die im Laufe des Spiels immer besser wurde. Ich bin zwar jetzt enttäuscht, es so knapp nicht ins Finale geschafft zu haben, doch am Sonntag versuche ich, es noch ein bisschen besser zu machen. Auf der anderen Seite wird Berlin wahrscheinlich auch nicht mehr so viel Sand im Getriebe haben. Die können auch mal schnell mit einem 3:0 über uns rüberfahren.

Hatten Sie erwartet, dass die Saison mit Platz zwei in der Liga und dem Pokalhalbfinale so gut beginnt?

Nein. Ich war zwar optimistischer als alle anderen und hatte mir vorgenommen, dass wir in der Liga lange um den dritten Platz mitkämpfen. Deswegen bin ich ja auch zum Aufsteiger gegangen. Das Potenzial ist schließlich groß. Mit so einer jungen Mannschaft startet man aber eigentlich schlecht und rollt das Feld später von hinten auf. Jetzt sind wir doch gut gestartet und können uns trotzdem noch steigern. Unser Weg im Pokal war sehr schwer in diesem Jahr, da wir im Viertelfinale schon den deutschen Meister Friedrichshafen schlagen mussten. Mit etwas mehr Losglück hätten wir es sogar ins Finale schaffen können.

Spielt es sich leichter, wenn man keine Partie gewinnen muss?

Psychologisch ist das so. Auch gegen die Berliner hatten wir nichts zu verlieren. Selbst wenn wir in der Liga nun weit vorn stehen, versuchen wir, keine Erwartungshaltung bei uns selbst aufzubauen. Wir haben auch schon gegen Teams hinter uns schlecht ausgesehen. Diese Schwankungen gilt es nun zu glätten.

Sie knüpfen mit ihren Leistungen an das Jahr 2012 an, als Sie zum »Wertvollsten Spieler der Liga« gewählt wurden. Hilft es Ihnen, dass Sie endlich wieder eine Führungsrolle übernehmen dürfen?

Nach zwei Jahren, in denen ich in Friedrichshafen und Berlin viel auf der Bank saß, ist es sehr schön, sehr eingebunden zu sein. Ich muss das aber auch nicht immer haben, ich muss nicht im Mittelpunkt stehen.

Was hat sie an den United Volleys Rhein-Main so gereizt?

Es ist das Projekt mit dem größten Potenzial der letzten 15 Jahre in Deutschland. Die Berliner haben auch sehr viel aus sich gemacht, aber sie sind schon auf einem sehr hohen Niveau gestartet. Ihr Etat war immer der zweitgrößte. Dann sind sie in eine größere Halle gegangen und haben das Marketing angeschoben. Dass sie nun so viele Zuschauer haben, verdient allergrößten Respekt. In meinem neuen Klub entsteht etwas fast von Null aus - bei einem Aufsteiger mit kleinen Wurzeln in Rüsselsheim. Ich kann jungen Spielern etwas mitgeben. Das reizt mich auch als Manager der Nationalmannschaft. Dieser Verein ist sehr gut aufgestellt. Er braucht noch Entwicklungszeit, so dass man zu Beginn als Spieler nicht all das erwarten darf, was es in Friedrichshafen und Berlin schon gibt.

Der Etat ist zudem nicht der kleinste, jedoch abhängig von einem Geldgeber. Wie gefährlich ist das?

Ein alleiniger großer Geldgeber ist nie sinnvoll, egal ob das eine Einzelperson oder eine Firma ist. Das hat man am Rückzug von Haching gesehen. Es soll langfristig geändert werden, aber das geht nicht von allein. Der sportliche Erfolg hilft dabei. Man muss zudem schauen, ob man den Personen vertraut, mit denen man arbeitet. Unser Projekt ist ein Start-up mit Dreijahresplan. Die Rhein-Main-Region gibt genug her, damit es erfolgreich werden kann. Natürlich ist der Etat relativ hoch, aber wenn man bei Null loslegt, muss man sich um Autos, Wohnungen, Ausrüstung, Möbel, Computer kümmern. Das sind alles Anschaffungen, die kosten. Der Kader ist gar nicht so sonderlich teuer.

Da hört man den Wirtschaftsstudenten raus. Als Sie Berlin verließen, wollten Sie Ihre Masterarbeit vollenden. Nun spielen Sie wieder Liga und Pokal, sind Nationalteammanager und auch noch vom Bundestrainer in den Olympiakader berufen worden. Bleibt genug Zeit fürs Studium?

Es zieht sich, leider. Im Fernstudium hat man nur einen Klausurtermin pro Semester. 2014 und in diesem Jahr hatte ich da Volleyballspiele. Auch für das dreitägige Seminar zuvor brauche ich vom Verein erst mal trainingsfrei. Es ist alles ein bisschen viel. Aber wenn man bei zweieinhalb Sachen mit dem Herzen dabei ist, klappt das schon irgendwie.

Hat es Sie überrascht, dass Sie wieder im Nationalteam mitspielen sollen oder haben Sie das als Manager selbst eingefädelt?

Ich bin nicht eingebunden in die sportlichen Belange. Also war ich schon überrascht. Das Hin und Her zwischen den Positionen ist eigentlich ungünstig, aber möglichst viele Alternativen zu haben, macht Sinn, für den Fall, dass jemand krank wird oder sich verletzt. Es geht um die Olympiaqualifikation, und da müssen wir die Kräfte bündeln. Es gibt neben mir aber auch zwei sehr gute Alternativen, die den verletzten Jochen Schöps ersetzen könnten.

Was macht eigentlich ein Teammanager?

Ich betreue die Mannschaft, organisiere bei Turnieren im Ausland Trainingszeiten, Verpflegung und andere Dinge. Darüber hinaus soll ich Repräsentant sein und als Bindeglied zum Verband beraten, wo man etwas langfristig verbessern kann. Da passt es, dass mein Trainingsort in Frankfurt in der Nähe des Verbands liegt.

War das auch ein Argument dafür, dorthin zu wechseln?

Ja, aber auch weil der Verein mir als einer von ganz wenigen die Freiheit lässt, die Nationalmannschaft zu begleiten, anstatt daheim zu trainieren.

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