Grüne Kandidatenkür

Parteibasis bestimmt am Wochenende die Wahlliste

Die Grünen möchten in der kommenden Legislaturperiode mitregieren. Zunächst müssen sie über die Landesliste abstimmen.

»Die große Koalition abzuwählen geht wohl nur mit uns«, sagt die Grünen-Landesvorsitzende Bettina Jarasch. Und: »Die Politik könnte mehr Gefühl für Berlin gebrauchen.« Mehr Mitglieder hat die am Sonnabend anstehende Landesmitgliederversammlung der Partei schon gebracht. Rund 100 Menschen sind im vergangenen Monat in die Partei eingetreten, die nun in Berlin 5300 Mitglieder zählt.

»Die basisdemokratische Tradition ist immer ein Mobilisierungsschub für uns«, sagt Jarasch. Und eine Zitterpartie. 15 Prozent der Partiemitglieder müssen sich bei der Versammlung im ehemaligen Friedrichshainer Kosmos-Kino einfinden, damit diese beschlussfähig ist. Mindestens 45 Listenplätze sollen besetzt werden, was für Selbstbewusstsein spricht. Denn beim bisherigen Rekordergebnis von 17,6 Prozent 2011 zogen 29 Grüne ein. »Dieses Ergebnis können wir nicht nur schaffen, sondern ausbauen«, sagt der Co-Landesvorsitzende Daniel Wesener. Mit Blick auf den Umfragedurchschnitt der letzten fünf Jahre sei man zuversichtlich, auch wenn die Situation »dynamisch« sei. 62 Kandidierende haben sich bis Donnerstag gemeldet, für die ersten vier Listenplätze sind das in der Reihenfolge die Fraktionschefinnen Ramona Pop und Antje Kapek sowie die Landesvorsitzenden Bettina Jarasch und Daniel Wesener. Ob Kleeblatt oder Viererbande, die ungewöhnlich kopfstarke Spitzenformation hat schon einige nicht immer schmeichelhafte Spitznamen bekommen. »Die Formation wurde letztes Jahr schon geklärt. Wir erwarten keine größere Debatte«, sagt Wesener. »Wir wären blöd, wenn wir unsere prominenteste Kandidatin nicht nach vorne stellen«, sagt Bettina Jarasch. Ramona Pop soll also im Wahlkampf Erste unter Gleichen werden. Bisher gibt es auf den ersten vier Plätzen noch keine Gegenkandidaturen.

Klar ist, dass sich die Landesliste gerade auf den oberen Plätzen stark verändern wird. Acht langjährige Fraktionäre werden nicht mehr antreten. Darunter bekannte Namen wie Jochen Esser, Claudia Hämmerling, Thomas Birk, Heidi Kosche und Dirk Behrendt. Die meisten Bewerber wollen sich nicht auf einen bestimmten Listenplatz festlegen, zu unwägbar ist der basisdemokratische Prozess. So auch der prominenteste neue Kandidat, Stefan Taschner. Der ehemalige Sprecher des Energietisches ist vor zwei Jahren in die Partei eingetreten. »Dreierbündnisse sind immer schwierig«, sagt Jarasch zu Koalitionsoptionen. »Die Stimmung in der Partei ist gut«, ist Wesener zuversichtlich.

Weitere Berlin-Themen:

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung