Mini-Auswahl erreicht Maxi-Erfolg

Bei den Hallen-Weltmeisterschaften schlagen sich die deutschen Leichtathleten bravourös

  • Von Heiko Oldörp undUlrike John
  • Lesedauer: 3 Min.

Die kleine deutsche Delegation bei der Hallen-Leichtathletik-WM in Portland sorgte unerwartet für drei Medaillen. Vor allem die Dreispringer überraschten.

Von Heiko Oldörp und Ulrike John, Portland

Die Dreispringer Kristin Gierisch und Max Heß sowie Mehrkämpfer Mathias Brugger haben den deutschen Leichtathleten bei den Hallen-Weltmeisterschaften die ersten Medaillen beschert. »Großartig! Unbeschreiblich! Ich bin ein bisschen sprachlos. Ich hätte nie gedacht, dass es so wie in der Meldeliste der zweite Platz wird«, meinte Heß, der wie seine Chemnitzer Trainingskollegin Gierisch in Portland Silber gewann.

Heß holte die erste Medaille der deutschen Dreispringer seit den Hallen- und Freiluft-Goldmedaillen von Charles Friedek 1999 in Maebashi und Sevilla. Für eine Premiere hatte zuvor Gierisch gesorgt: Die 25-Jährige gewann als erste deutsche Sportlerin in dieser Disziplin bei einer Hallen-WM Edelmetall. Gierisch landete bei 14,30 Metern, elf Zentimeter weiter sprang Yulimar Rojas aus Venezuela.

»Ich habe vorhin gehört, dass wir eine Dreisprungnation sind. Das habe ich viele Jahre nicht gehört«, meinte der deutsche Cheftrainer Idriss Gonschinska. »Diese Bewertung ist ein Ausdruck dafür, dass es sich lohnt, zukunftsorientierte Projekte zu fördern.« Die für viele merkwürdig anmutende Disziplin war in den vergangenen Jahren teilweise kaum noch beachtet worden und brachte nun dem nur 14-köpfigen Team des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) gleich zwei Medaillen.

»Das war einfach unglaublich! Der vierte Platz letztes Jahr bei der EM in Prag war hart«, meinte Gierisch. »Dieses Mal habe ich vorher zu meinem Trainer gesagt: Wir wollen jetzt die Medaille!« Sie arbeite seit 13 Jahren mit Harry Marusch zusammen, der auch Heß betreut: »Er ist der wichtigste Bezugspunkt für mich, wie ein zweiter Vater.«

Auch für Heß wurde »ein großer Traum wahr«. Im vierten Versuch sprang der erst 19-Jährige 17,14 Meter weit und übertraf damit seine Bestweite um 14 Zentimeter. Der deutsche Meister musste sich nur dem Chinesen Bin Dong (17,31) geschlagen geben. Dafür ließ er Spitzenathleten wie Europameister Benjamin Compaoré (Frankreich) und den Olympiasieger von 2008, Nelson Evora (Portugal), hinter sich. Auch Heß lobte seinen Coach Marusch: »Er hat mich in seine Trainingsgruppe aufgenommen, obwohl ich ziemlich schlecht war und hat einen Vizeweltmeister aus mir gemacht. Dafür bin ich ihm sehr dankbar.«

Im Siebenkampf musste Mathias Brugger bis zum Schluss um Bronze zittern. Der als starker Läufer bekannte Amerikaner Curtis Beach hatte vor den 1000 Metern nur 67 Punkte Rückstand auf den Ulmer. Beach rannte zu einem Start-Ziel-Sieg. Brugger ließ den Abstand jedoch nicht zu groß werden - und war nach 2:34,10 Minuten erlöst.

»Es ist ein unglaubliches Gefühl, ein Traum«, sagte der 23-Jährige. Mit 6126 Punkten übertraf er seine persönliche Bestmarke um 66 Zähler. Den Titel holte sich Favorit Ashton Eaton. Der Zehnkampfweltrekordler aus den USA gewann mit der Weltjahresbestleistung von 6470 Punkten. Für ihn war es das dritte Hallen-WM-Gold nacheinander, für das US-Team der achte Titel bei der Heim-Weltmeisterschaft. dpa/nd

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