Ex-Pegida Festerling versucht es mit Legida

Warum die Gründerin des Projektes »Festung Europa« nun verstärkt das Leipziger Rassisten-Bündnis unterstützt

  • Von Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 3 Min.

In der vergangenen Woche war sie noch auf Promo-Tour für ihr völkisches Projekt »Festung Europa« in Bulgarien unterwegs. Nun ist sie wieder auf die sächsische Polit-Bühne zurückgekehrt: Wenn am Montagabend nach vier Wochen Pause das fremdenfeindliche »Legida«-Bündnis erneut durch Leipzig marschiert, soll Ex-Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling gemeinsam mit dem niederländischen Rechtspopulisten Edwin Wagensveld der rechten Initiative neues Leben einhauchen. Denn, so viel ist offensichtlich: Legida leidet unter einem spürbar sinkenden Interesse seiner einstigen Anhängerschaft. Konnte die rassistische Vereinigung noch im Frühjahr regelmäßig etwa 1000 Mitstreiter mobilisieren, waren es zuletzt im Mai nicht einmal mehr die Hälfte.

Richten soll es nun mit Festerling ausgerechnet eine auch intern umstrittene Person, die schon bei Pegida vor einigen Wochen in Dresden in Ungnade fiel. Der Wechsel nach Leipzig ist einerseits ein Ausweg für sie, weiterhin im Gespräch zu bleiben, andererseits ist die Entscheidung auch als eine Kampfansage an Pegida-Chef Lutz Bachmann zu interpretieren. Das einst enge Bündnis zwischen der Dresdner Initiative und seinem Leipziger »Ableger« ist längst merklich abgekühlt. Während sich die beiden rechten Zusammenschlüsse noch vor wenigen Monaten gegenseitig unterstützten und wechselseitig ihre Anhängerschaft zur Teilnahme an den Aufmärschen aufriefen, kam es im Frühjahr zum Bruch.

Der damalige Legida-Organisator Markus Johnke zog sich zurück, weil »politische und organisatorische Differenzen mit Pegida entstanden, die einer weiteren engen Zusammenarbeit« widersprachen. Seit dem Abgang von Johnke fehlt es in Leipzig an einer führenden Person, die das rassistische Bündnis in der Öffentlichkeit vertreten kann.

Doch von einer wirklichen Aufbruchstimmung im Zuge des geplanten Festerling-Auftritts kann nicht gesprochen werden. Im Gegenteil, es wächst der Unmut im Unterstützerumfeld von Legida: Deutlich wird der erneute Streit an der kurzfristigen Absage des ebenfalls für Montag in Leipzig geplanten Aufmarsches von »Wir lieben Sachsen/Thügida«. Offiziell heißt es auf deren Facebookseite, man wolle die Demonstration zeitnah nachholen und sich nun stattdessen unter die Legida-Teilnehmer mischen. Doch gleichzeitig geht es auch um erhebliche Zweifel am geplanten Auftritt von Festerling und Wagensveld.

Wie die »Leipziger Internetzeitung« (LiZ) dokumentiert, reagierte »Wir lieben Sachsen/Thügida« nach dem letzten Auftritt des Duos bei Legida mit Hohn und Spott. Auf der Facebookseite war demnach von »Zugereisten« die Rede, die versuchen würden, dem Bündnis eine »einseitige Ausrichtung« zu geben. Gemeint war in diesem Fall der Islam als angebliches »Hauptproblem in Deutschland und Europa«. Thügida ist dagegen nicht nur islamfeindlich, sondern agiert auch antisemitisch und geschichtsrevisionistisch: Laut »Leipziger Volkszeitung« waren im April Teilnehmer der »Wir lieben Sachsen/Thügida«-Unterstützerdemo mit fragwürdigen T-Shirts aufgetreten, auf denen »Auschwitz – ich hätte da mal eine Frage« stand. Zudem soll die Parole »Nie wieder Israel« skandiert worden sein. Federführend tätig für das bisherige Legida-Partnerbündnis sind mehrere Rechtsradikale, darunter der sächsische Landesvorsitzende der Partei »Die Rechte«, Alexander Kurth.

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