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Gefühl und Realität

Hertha BSC siegt gegen ebenbürtige Ingolstädter

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 3 Min.

Romain Brégerie sprach über Gefühle. Der 30-Jährige ist Verteidiger, da gehört kompromissloses und rustikales Vorgehen irgendwie zum Handwerk. Aber auf dem Platz gehört er ebenso zu den eher feingeistigen Fußballern. Auch gegen Hertha BSC stellte er seine Abwehrkünste wieder mal unter Beweis: antizipieren und den Ball ablaufen, bevor es überhaupt zu einem Kontakt mit dem Gegner kommt. Brenzlige Situationen löste er elegant durch Ballannahmen mit der Brust oder dem Außenrist. Geholfen hat es nicht allzu viel, mit dem FC Ingolstadt verließ er am Sonnabend als Verlierer das Berliner Olympiastadion.

Nach dem 0:1 haderte Brégerie erst mit dem Spielverlauf. Nur etwas mehr als eine Minute hatte es gedauert, als Genki Haraguchi vor nur 33 000 Zuschauern das Tor des Tages erzielt hatte. Dann wurde der Franzose grundsätzlich: »Nach Spielen gegen Hertha hast Du immer das Gefühl, dass der Gegner nicht besser war.« Seine Wahrnehmung stimmte durchaus. Nach Anfangsschwierigkeiten kamen die Ingolstädter immer besser ins Spiel und hatten ihre ersten Torchancen kurz vor dem Pausenpfiff. In der zweiten Halbzeit waren die Gäste mindestens ebenbürtig und hatten genug Möglichkeiten, um auszugleichen.

Wirklich oft hatten Hertha BSC und der FC Ingolstadt noch nicht das Vergnügen miteinander. In gerade mal acht Pflichtspielen trafen sich die beiden Klubs bislang. Gewinnen konnten die Bayern noch nie, drei Unentschieden und fünf Niederlagen stehen in der Bilanz. Romain Brégerie erlebte seit dem Ingolstädter Aufstieg 2015 alle vier Erstligaduelle mit den Berlinern - und jedes Mal gewannen die Berliner, nur ein Mal davon mit mehr als einem Tor Unterschied.

Diese Serie macht Brégerie ratlos, frustriert war er von der aktuellen Niederlage. Das eigentlich positive Gefühl wird von der Realität immer wieder bitter enttäuscht - und das macht den Kampf um den Klassenerhalt nicht unbedingt leichter. »Wir haben seit November fast nur gute Spiele gemacht, auch heute wieder«, sagte Brégerie etwas resigniert. Dass der FC Ingolstadt trotzdem immer noch Vorletzter ist, daran musste ihn niemand erinnern.

Mitte November war Ingolstadt auch Vorletzter, allerdings mit nur zwei gewonnenen Punkten aus den ersten zehn Saisonspielen. Dann kam Maik Walpurgis. Mit dem neuen Trainer holte der FCI aus bislang neun Spielen vier Siege und insgesamt 13 Punkte. »Wir hätten das 1:1 verdient gehabt«, sagte Walpurgis im Olympiastadion und ist sich sicher: »Wenn wir weiter so spielen, dann werden die Punkte auch kommen.« Noch fehlten ein paar Kleinigkeiten zum Glück, meinte Trainer.

Mit dem Glück aber ist das im Fußball ja immer so eine Sache, es trifft meist diejenigen, die oben stehen. Hertha BSC hatte vor dem Spiel gegen Ingolstadt vier der letzten fünf Spiele verloren, nur gegen den Letzten aus Darmstadt gelang ein Sieg. Dennoch gingen die Berliner als Sechster in die Partie und hatten das glücklichere Ende für sich. Ingolstadt hingegen konnte drei der letzten fünf Spiele gewinnen, darunter waren Siege gegen RasenBallsport Leipzig und Bayer Leverkusen. Und trotzdem stecken die Bayern nach wie vor im Tabellenkeller fest.

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