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Prügeleien

Ingvar Ambjørnsen: Versuch einer Krimi-Persiflage

  • Friedemann Kluge
  • Lesedauer: 3 Min.

Ein ganz merkwürdiges Buch! Obwohl immer wieder von kriminellen Handlungen die Rede ist, handelt es sich nicht um einen Krimi. Oder doch nur sehr peripher.

Ambjørnsen erzählt die Geschichte eines höchst erfolgreichen norwegischen Krimi-Autors, der zweifellos über große Bereiche hinweg vom Habitus eines Alter Ego geprägt ist. Dieser Autor soll nun einen Mann krankenhausreif geschlagen haben, was sich dem Leser insofern nur schwer erschließt, als das Opfer von einer Frau verprügelt wurde, der Geliebten des Krimi-Autors Alexander Irgens, die nun ihrerseits aus Gründen, die dem Leser weitgehend verborgen bleiben, mit dem Schriftsteller bricht. Aus ebenfalls kaum nachvollziehbaren Gründen gibt es auch eine Anzeige gegen den Nicht-Täter, die später zurückgezogen wird. Irgendwann findet die Versöhnung zwischen Irgens (der, notabene, eben nicht der Täter ist!) und dem mittlerweile genesenen Opfer statt. Oder auch wieder nicht, denn am Ende des Buches taucht urplötzlich ein ganz anderes Opfer jener Schlägerei auf, das in seinem Bett auf der Intensivstation eben noch keineswegs wiederhergestellt ist ...

Die Gedankensprünge Ambjørn-sens sind hanebüchen und fordern dem Leser ein Äußerstes an Kombinationsfähigkeit ab. Nur zwei Beispiele: Da liest der Autor in einer Schweriner Buchhandlung, schlendert aber anschließend über den Eppendorfer Weg, der sich bekanntlich in Hamburg befindet. Oder: Ebenfalls von Schwerin aus führt er ein Telefonat mit Norwegen, beendet dieses Gespräch aber wiederum in Hamburg (ohne sich zwischen den beiden Städten in der Zwischenzeit erkennbar fortbewegt zu haben).

Widersprüche - oder nur Scheinwidersprüche? Um die Unsinnigkeit mancher Kriminalstorys umso deutlicher hervortreten zu lassen? Denn das will es sein, dieses Buch: eine Persiflage auf die Kriminalliteratur, auf deren kommerzielle Ausbeutung, auf den Markt, der die »gute« Literatur hinter den Krimis verschwinden lässt, auf das Bestseller-Unwesen. Es will, so die Übersetzerin in ihrem Nachwort, »eine Kritik an der norwegischen Literaturszene dieses Jahrzehnts« sein, einer Literaturszene, wie sie sich aktuell wahrlich nicht nur in Norwegen darbietet!

Was auch immer der Autor sich gedacht haben mag: Es spielt im Grunde genommen keine Rolle. Denn Handlung oder nicht, Persiflage oder nicht: Das Buch besticht durch seinen Sprachreichtum. Ambjørnsens sprach-liche Bilder sind teils witzig, aber vielfach auch von einer solchen Schönheit, dass man sie am liebsten malen möchte! Und in diesem Zusammenhang auch ein unbedingtes Lob an die Adresse der Übersetzerin (gleichzeitig Ehefrau des Autors): Wem es gelingt, eine derartige Farbigkeit der Sprache in ein anderes Idiom zu übertragen, der ist nicht einfach »nur« Übersetzer, der ist selbst Literat von hohen Graden! In der Tat kann Gabriele Haefs auf ein inzwischen umfangreiches und teilweise preisgekröntes eigenes Werk zurückblicken.

Ingvar Ambjørnsen: Aus dem Feuer. Roman. Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs. Edition Nautilus. 319 S., geb., 22 €.

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