Abgestellt
Hans-Gerd Öfinger glaubt, dass Privatbahnen keine Zukunft haben
Dass die erst Ende 2016 als neuer Hoffnungsträger aufs Gleis gesetzte Privatbahn Locomore schon in die Insolvenz geraten ist und seit Freitagmittag in Berlin-Lichtenberg vorläufig ihren Betrieb eingestellt hat, kann nur bahnferne Beobachter überraschen. Schließlich ist dies nicht der erste ausgebremste Versuch privater Anbieter, der Deutschen Bahn im Schienenpersonenfernverkehr bescheidene Marktanteile abzujagen.
Trotz durchaus pfiffiger Ideen der erfahrenen Locomore-Macher und trotz des Wohlwollens geduldiger Kunden und Gönner im Rahmen der Crowdfunding-Finanzierung erweist sich hier einmal mehr, dass der eigenwirtschaftliche Personenfernverkehr sehr langfristig angelegt ist und nicht für kurzatmige Projekte oder raschen Renditedruck taugt.
Locomore setzte auf Sparsamkeit und suchte für seinen Patchworkzug mit einer Lok und weniger als einem Dutzend Personenwagen notgedrungen die billigsten Anbieter aus. Der für September angekündigte Betriebsstart fand erst im Dezember statt. Weil längst nicht alles rund lief, wurde schon wenige Wochen später der Fahrplan mit einem täglichen Zugpaar zwischen Stuttgart und Berlin wieder ausgedünnt.
Ob sich jetzt ein herbeigesehnter Investor erbarmt und bei Locomore einkauft, bleibt abzuwarten. Segen wird es nicht bringen. Die Eisenbahn ist ein ganzheitliches System, das am besten einheitlich, in öffentlicher Hand und unter transparenter, demokratischer Kontrolle funktioniert. Rosinenpickerei und Renditestreben sind damit unvereinbar.
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