Politik am Ziel

500 Teilnehmer bei der nd-Leserwanderung vom S-Bahnhof Waidmannslust nach Pankow

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

»Das ist doch eine Wahlkampfveranstaltung hier«, denkt ein Spaziergänger, als er am Sonntag im Bürgerpark Pankow Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (LINKE) sprechen hört. Aber nein, es ist die Zielparty der nd-Leserwanderung, und Petra Pau kommt zu diesem Anlass schon seit vielen Jahren und keineswegs nur in Wahlkampfzeiten.

Rund 500 Menschen hören der Parlamentspräsidentin im Biergarten des Cafés »Rosenstein« zu. Natürlich macht sie auch ein klein wenig Wahlkampf, wirbt dabei allerdings nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihre Genossen Gregor Gysi, Gesine Lötzsch, Stefan Liebich und Pascal Meiser, die ebenfalls in Ostberliner Wahlkreisen kandidieren. Sie müsse gerade aufpassen, »auch mal eine Mütze Schlaf zu kriegen«, verrät Pau. Aber sie habe ja jüngere und auch ältere Helfer, und sie werde die eine Woche bis zum 24. September durchhalten und bis zum Schluss dafür kämpfen, dass möglichst viele Bürger wählen gehen und ihr Kreuz an der richtigen Stelle machen. Ihre Zuhörer im Bürgerpark muss sie aber größtenteils kaum noch überzeugen. Das wird am Applaus deutlich.

Mehr als 420 Startkarten sind seit 9 Uhr am S-Bahnhof Waidmannslust ausgegeben worden, eine davon an die Berliner Abgeordnete und LINKE-Landesvorsitzende Katina Schubert, die erstmals bei einer nd-Wanderung mitläuft. Beide Strecken führen durch das Märkische Viertel im Bezirk Reinickendorf und damit durch Schuberts Wahlkreis. Zu den besonders schönen Abschnitten gehören daneben der Wiesenweg weit im Norden und die Schönholzer Heide. In der Heide nehmen sich fast alle Wanderer die Zeit, das sowjetische Ehrenmal zu besichtigen. Dort sind 13 200 Soldaten bestattet, die 1945 bei der Befreiung Berlins vom Faschismus ihr Leben verloren. Der Frieden in Europa scheint wieder in Gefahr, seit Anfang 2017 US-Truppen nach Polen und in die baltischen Staaten verlegt worden sind. Anders als einige seiner Genossen hält der Bundestagsabgeordnete Stefan Liebich (LINKE) die Besetzung der vordem zur Ukraine gehörenden Halbinsel Krim durch Russland für einen völkerrechtswidrigen Akt. Doch die Wirtschaftssanktionen gegen Russland findet er dennoch genauso falsch wie die Tatsache, dass Gespräche des Bundestags mit der russischen Duma nun ausgefallen sind, weil Duma-Abgeordnete nicht in die Bundesrepublik einreisen durften.

Liebich ist mit seinem Moped der DDR-Kultmarke »Schwalbe« zum Café »Rosenstein« gekommen. Es ist ein Elektromoped. Die zwei Akkus reichen für eine Distanz von 100 Kilometern, erklärt er interessierten nd-Lesern. Das Laden dauere fünf Stunden. Er hänge dafür ein 25 Meter langes Stromkabel aus dem Balkon seiner Wohnung, runter zur Schwalbe. Hergestellt werde das E-Modell allerdings nicht von der Firma Simson in Suhl. Ein Münchner Unternehmen habe die Rechte gekauft und lasse in Wrocław fertigen. Liebich gehörte kürzlich zu den ersten Käufern. »Es war ein bisschen wie beim Trabant. Man musste warten. Zwar nicht zwölf Jahre, aber einige Monate.«

Nahezu 80 Wanderer kürzen am Sonntag ab. Sie fahren zum S-Bahnhof Wilhelmsruh und laufen von dort rund vier Kilometer bis zum Bürgerpark, wo sie dann noch die Startkarten ausfüllen und damit ihre Chance auf einen Preis beim traditionellen Quiz wahren. Den Hauptpreis, ein Fahrrad, erhält Cynthia Karau aus Birkenwerder. Zu den übrigen 20 Gewinnern zählen die Schuljungen Karl und Juri. Er sei schon einmal mitgewandert, versichert Karl. Das nächste Mal wieder? »Vielleicht«, meint er lächelnd. Die nächste nd-Frühjahrswanderung findet am 15. April statt, die nächste nd-Herbstwanderung am 16. September 2018.

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