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Frauenpower

Martina Schattkowsky würdigt Reformatorinnen

Über Jahrhunderte blieben sie im Schatten der Männer, jene Frauen, »denen das reformatorische Bekenntnis so wichtig wurde, dass sie öffentlich dafür eingetreten sind ..., wofür sie unter Umständen selbst Anfeindungen oder Gefahr für Leib und Leben in Kauf nahmen«, konstatiert Martina Schattkowsky eingangs.

Martina Schattkowsky (Hg.): Frauen und Reformation. Handlungsfelder – Rollenmuster – Engagement.
Leipziger Universitätsverlag, 354 S., geb., 66 €.

In der Tat, wie viele von den mutigen Reformatorinnen sind heute noch namentlich bekannt? Gewiss, die »Lutherin«, die entflohene Nonne Katharina von Bora, die 1525 den ehemaligen Mönch und nunmehr hoch angesehenen Theologieprofessor in Wittenberg heiratete, dürfte nach dem ausgiebig begangenen Reformationsjubiläum allgemein bekannt sein. Sie fehlt im hier anzuzeigenden Band nicht; Gabriele Jancke berichtet über sie und deren Bild in der Nachwelt.

Argula von Grumbach dürfte zumindest den Bayern geläufig sein, vergibt doch die dortige Evangelisch-Lutherische Kirche seit 1998 einen nach ihr benannten Gleichstellungsförderpreis. Ihre Schriften, darunter »Wie eyn Christliche fraw« (1523), verbreiteten sich jedoch dereinst weit über Bayern hinaus. Argula war die erste Autorin des Protestantismus, Luther lobte sie als »ein einzigartiges Werkzeug Christi«. Ihre Mahnung an die Mächtigen im Reich, »Das Wort Gottes muss unsere Waffe sein - nicht mit Waffen dreinzuschlagen, sondern den Nächsten zu lieben und Frieden untereinander zu haben«, wäre auch in unserer gewalttätigen Gegenwart zu beherzigen. Caritas Pirckheimer dürfte sich ebenfalls eines gewissen Bekanntheitsgrades erfreuen. Die hochgebildete und mit zahlreichen Humanisten, Dichtern, Gelehrten und Malern, darunter Albrecht Dürer, im regen Briefwechsel stehende Äbtissin des Klarissenklosters in Nürnberg war eine vehemente Verfechterin der Religions- und Gewissensfreiheit, weshalb sie auch jegliche zwangsweise Bekehrung zum Protestantismus ablehnte. Sarina Jaeger stellt diese beiden Frauen vor.

Wer aber kennt den Namen der Frau des Reformators und Führers der aufständischen Bauern Thomas Müntzer? Ottilie hieß sie, entstammte einem Adelsgeschlecht, war Nonne und heiratete 1523 ihren Thomas, der gerade zum Pfarrer der Sankt-Johannes-Kirche in Allstedt berufen worden war ...

Während mittlerweile, wie Martina Schattkowsky informiert, das Engagement von blaublütigen Frauen für die Reformation relativ gut erforscht ist, beispielsweise von Herzogin Elisabeth von Sachsen, besser bekannt als Elisabeth von Rochlitz, oder die Herzogin Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg, berühmt geworden als Elisabeth von Calenberg, bleiben die Reformatorinnen unterer sozialer Schichten weiterhin im Dunkel der Geschichte verborgen. Da gibt es also noch viel zu tun.

Unter der Überschrift »Der selektive Blick« fragt Franziska Neumann nach den Frauen im Bauernkrieg von 1524/25, der untrennbar zur Reformationsgeschichte gehört. Gekennzeichnet als ein Aufstand des »Gemeinen Mannes«, sei dieser im Großen und Ganzen ein männliches Ereignis gewesen, »eben eine Rebellion der Familienväter«. Franziska Neumann kommt zu dem Schluss: »Weder scheint es so zu sein, dass Frauen die führenden Köpfe der Proteste gewesen wären noch dass sie den Tumulten ein eigenes geschlechterspezifisches Profil gaben oder sich spezifisch weibliche Handlungsspielräume herausarbeiten lassen.« Das mag aber auch an mangelnder Überlieferung oder an dem »deformierten Bild« in den Quellen liegen. Der Topos des »bösen wips« sollte, so die Autorin, die Aufstandsbewegung diskreditieren. Die Frau hatte ihrem Mann untertan zu sein, im Heim und am Herd zu bleiben. Betont wurde deren Schutzbedürftigkeit durch den Mann. Selbstbewusster Protest, der traditionelle Geschlechterverhältnisse und patriarchalische Ordnung infrage stellte, fanden auch die Protestanten nicht toll.

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