IOC will Kampf gegen Doping reformieren

32 russische Sportler klagen gegen ihre Olympiasperre

  • Von Andreas Schirmer, Pyeongchang
  • Lesedauer: 3 Min.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) will nach der bitteren Lehre aus dem russischen Dopingskandal die Regeln und das Rechtssystem im Antidopingkampf umfassend reformieren. »Die Herausforderung wird sein, wie wir die Integrität einer Organisation wie das IOC mit seinen 206 Mitgliedern managen und schützen können«, sagte Präsident Thomas Bach am Dienstag bei der IOC-Session in Pyeongchang. Dazu gehöre auch, wie man der »wachsenden Macht individueller Rechte« begegnen könne.

Das Urteil des Internationalen Sportgerichtshof CAS in der Berufungsverhandlung von 39 Athleten aus Russland, die gegen ihren vom IOC als Folge des Dopingskandals in ihrem Land verhängten lebenslangen Olympiabann klagten, hatte viel Kritik ausgelöst. In 28 Fällen hob das CAS die Sperre auf, in elf reduzierte es die IOC-Sanktionen. Bisher sind 169 Athleten aus Russland zu den Spielen eingeladen worden. Aus dem Kreis der 28 Russen, deren Sperren vom CAS aufgehoben wurden, hatten 15 nachträglich die Teilnahme beantragt. Das IOC lehnte ab.

Mitten in die IOC-Debatte über die Causa Russland platzte die Nachricht, dass weitere 32 russische Sportler auf juristischem Weg den Start bei den Winterspielen erreichen wollen. Die Athleten reichten Klage beim Schweizer Bundesgericht und beim CAS gegen ihren Olympiaausschluss ein. Dies bestätigte das Ad-hoc-Gericht des CAS in Pyeongchang, und will am Mittwoch ein Urteil verkünden.

Mit einer harten Kritik am Umgang mit der Causa Russland löste IOC-Mitglied Richard Pound eine ungewöhnlich scharfe Kontroverse unter seinen 100 Kollegen aus. »Ein großer Teil der Welt glaubt, dass das IOC versagt und die Athleten sauber gemacht hat«, sagte der frühere Präsident der Welt-Antidoping-Agentur. »Bisher hat man im IOC mehr geredet als bewegt. Unsere Zukunft hängt davon ab, was wir tun, aber nicht, was wir sagen«, sagte Pound und nannte die Welt des IOC einen »komfortablen Kokon«.

Noch vor Ende der 23. Winterspiele muss das IOC eine weitere große Entscheidung fällen. In Pyeongchang sind einzelne Sportler als »Olympische Athleten aus Russland« ohne Fahne und Hymne am Start. Das Nationale Olympische Komitee des Landes wurde vom IOC in Folge des Dopingskandals suspendiert, aber mit der Möglichkeit, vor der Schlussfeier wieder aufgenommen zu werden. Eine entsprechende Empfehlung für die Wiederaufnahme wird das Einladungskomitee unter der Leitung Nicole Hoevertsz an das IOC-Exekutivkomitee geben. Es wird während der Spiele beobachten, ob sich die russischen Athleten, aber auch die Fans oder die Medien entsprechend des olympischen Geistes verhalten. »Ich stimme zu, dass wir Russland zurück in die olympische Familie bringen müssen, aber zu unseren Bedingungen, nicht zu seinen Bedingungen der Leugnung und des Angriffs«, mahnte Pound.

»Trotz der schwierigen Situation gibt es auch die schöne Seite des Lebens«, sagte Bach. »Denn wir können daraus lernen und es kann der Beginn von Veränderungen werden in der Welt-Antidoping-Agentur, im CAS und auch im IOC. Wir haben die Diskussion darüber begonnen.« dpa/nd

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