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Ollis Olympia

Oliver Kern findet Spuren des Krieges am Olympiaort

  • Von Oliver Kern
  • Lesedauer: 2 Min.

In den ersten Tagen hier habe ich schon fünf Mal von Harmoniebemühungen berichtet und dabei elf Mal das Wort Frieden geschrieben. Jetzt sind es zwölf. Es gibt hier aber auch Orte, an denen sichtbar wird, dass sich Südkorea offiziell noch im Krieg mit dem Nachbarn aus dem Norden befindet. Am Strand zum Beispiel.

Ja, wer bei einem Spaziergang durch Dünen und Sand idyllisches Meeresrauschen erwartet, steht hier an der Küste Gangneungs, nur zehn Autominuten vom Olympic Park entfernt, plötzlich im Schützengraben. Gleich mehrere davon wurden hier mit Autoreifen verstärkt und warten darauf, dass sich ein Soldat hineinlegt, um auf Angreifer zu zielen, sollten die Nordkoreaner doch irgendwann über das Ostmeer angreifen. Die Landgrenze ist keine 100 Kilometer entfernt.

Ollis Olympia - Oliver Kern findet Spuren des Krieges am Olympiaort

Alle 500 Meter steht zwar auch an diesem Strand ein Turm. Doch anders als auf Sylt und Usedom schauen hier keine Lebensretter nach ertrinkenden Badegästen - dafür wäre das Meer derzeit auch zu kalt. Auf diesen Türmen aber sind große Leuchtanlagen und Lautsprecher angebracht. Dazu steht immer eine Art Vogelscheuche drin - mit Militäruniform und Helm ausgerüstet, um den Nordkoreanern vorzugaukeln: »Wir sind bereit!« Geschützstände gibt es auch, einsatzbereit mit Stuhl und Sandsäcken. Auch sie sind glücklicherweise leer.

Militärisches Sperrgebiet ist das übrigens nicht. Jeder Tourist, der sich ein paar Hundert Meter von den Fisch- und Fastfood-Restaurants fortbewegt, kann die Gräben betreten. Nur die Türme sind abgeschlossen. An diesem schönen Sonnentag sind aber alle Anlagen leer. Eine junge Südkoreanerin macht lieber mit einem zufällig vorbei spazierenden Soldaten ein Selfie. Der Uniformierte macht auch danach keine Anstalten den Wachturm zu besetzen.

Die ganze Szenerie wirkt wie eine Filmattrappe, an die sich alle gewöhnt haben. Mein Gott, es ist seit 65 Jahren nichts passiert, warum sollte der Norden ausgerechnet jetzt angreifen? Aber Vorsicht ist offenbar besser als Nachsicht.

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