Eine Glaubensfrage

Tierschützer, Veranstalter einer Messe und ein Ethikprofessor streiten über Sinn und Unsinn von Angeln und Jagen

  • Marie Frech, Erfurt
  • Lesedauer: 3 Min.

Ein Wildschwein erschießen oder eine Forelle fangen? Übers Jagen und Angeln lässt sich das ganze Jahr streiten. Doch in Thüringen gibt es einen Termin, der die Diskussion besonders hochkochen lässt: die Erfurter Fachmesse »Reiten-Jagen-Fischen«, die ab Freitag zum 20. Mal stattfindet.

Das sagen die Tierschützer: »Für uns sind die Besucher der Messe Menschen, deren Hobby es ist, Tiere zu töten«, sagt Peter Höffken, Fachreferent der Tierschutzorganisation Peta. In vielen Fällen gehe es beim Jagen und Angeln nicht darum, Tiere für eine weitere Verwertbarkeit zu erlegen, sondern um die Lust daran. Oft würde auf Tiere wie Fuchs und Marder Jagd gemacht, die kaum verwertbar seien. Fischen werde ein Haken durch den Gaumen gejagt, das lasse sie ersticken. Grundsätzlich würden sich die Tierbestände im Wald durch Krankheiten, Nahrungsknappheit und Witterung selbst regulieren.

Das sagen die Veranstalter: Den Vorwurf des »Tötens aus Vergnügen« lehnen sie ab. Angeln und die Jagd mögen sportliche Aspekte haben, erfüllten aber vielmehr eine wichtige Funktion bei der Begrenzung von Wildtierbeständen, teilt Manuela Braune, Projektleiterin der Messe Erfurt, mit. Auch bei der Bekämpfung von Seuchen und Epidemien spiele die Jagd eine Rolle. »Die Jagd ist ein gesellschaftlicher Auftrag und gehört seit Jahrhunderten zum gelebten Brauchtum auf der gesamten Welt und ist festes Kulturgut unserer Gesellschaft«, erklärt Braune. Dass die Jagd mit dem Töten von Tieren verbunden sei, bestreite niemand. Die Jagd- und Anglerverbände dokumentierten mit ihren Messeauftritten, dass die Tiere, die sie töteten, auch genutzt würden; etwa als Nahrung oder Kleidung. Auch Tier- und Naturschutz gehörten zu den wichtigen Themen der Messe.

Das sagt der Ethikprofessor: Eine allgemeingültige Antwort auf die Frage, ob Jagen und Angeln moralisch vertretbar sind, hat Nikolaus Knoepffler, Leiter des Lehrstuhls für Angewandte Ethik an der Universität in Jena, nicht parat. »Solange wir Tiere essen dürfen, ist es im Endeffekt vertretbar, sie zu jagen oder zu fischen.« Diene die Jagd einem Zweck wie der Nahrungsbeschaffung oder um den Bestand einer Tierart zu regulieren, sei sie zu akzeptieren. Anders sei es, wenn man ablehne, Tiere als Mitgeschöpfe mit Recht auf Leben zu essen. Dann müsste auch aufs Jagen verzichtet werden. Auch die Jagd aus reiner Lust sei abzulehnen, »wenn etwa jemand sich genüsslich am Leid anderer labt«.

Aus seiner Sicht sei es vertretbar, als Hobby zu angeln und zu jagen, solange es fachlich korrekt geschieht und das Tier keine unnötigen Schmerzen ertragen müsse, unterstrich der Jenaer Ethikprofessor. »Um ein Mütchen zu kühlen, sind Angler und Jäger die falschen Adressaten. Da sind die grausame Formen der Massentierhaltung vielleicht eher geeignet.« dpa/nd

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