»Nur die Eingangsportale wurden verschlossen«

Der einstige Regierungsbunker südlich von Bonn könnte notfalls wieder genutzt, sagt ein Experte

  • Jens Albes, Bad Neuenahr-Ahrweiler
  • Lesedauer: 3 Min.

Der zurückgebaute ehemalige Bunker der Bundesregierung bei Bad Neuenahr-Ahrweiler könnte laut einem Experten notfalls wieder ertüchtigt und genutzt werden. Mit Blick auf das zehnjährige Bestehen des Bunkermuseums in einem kleinen Teil der 17 Kilometer langen Anlage sagte Jörg Diester der dpa: »Verfüllt wurde nichts. Die Wassereinbrüche werden gezielt abgeleitet. Die relevanten Bereiche sind noch immer in Bundeseigentum.« Die Betonummantelung habe während des Rückbaus in den Jahren 2001 bis 2006 nirgends beschädigt werden dürfen.

Diester, der Autor mehrerer Bücher über den Bunker ist, ergänzte, »dass nur die Eingangsportale mit mobilen Betonelementen verschlossen wurden. Die Statik musste erhalten bleiben.« Weiter erklärte der Experte: »Im unterirdischen Verbindungsstollen hängen noch heute die Pumpen und Schläuche.« Das sei kaum bekannt.

Das Bundesinnenministerium teilte dagegen der dpa mit: »Man kann dieses Bauwerk nicht mehr als Ausweichsitz für die Verfassungsorgane nutzen.« Ministeriumssprecher Harald Neymanns erläuterte: »Der ehemalige Regierungsbunker im Ahrtal wurde weitestgehend entkernt und auf den reinen Rohbaustollen zurückgebaut. Die technische Ausstattung inklusive unabhängiger Stromversorgung, Tanks und sämtlicher Einbauteile und Kommunikationseinrichtungen wurde umweltgerecht demontiert und entsorgt.« Von der einstigen Anlage seien nur noch 200 Meter im ursprünglichen Zustand erhalten: das heutige Regierungsbunkermuseum.

Diester sagte, tatsächlich sei schon im Jahre 1997 von einer »bauseitigen Vorlaufzeit von ein bis zwei Jahren« für eine neue Ertüchtigung die Rede gewesen. Die zusätzliche Aussage des Ministeriumssprechers, »weitere Pläne zur Nutzung sind nicht bekannt«, ermögliche Interpretationen in alle Richtungen. »Eine definitive Aussage fehlt«, ergänzte Diester. Auch wenn schon rund 800 000 Menschen das Museum besucht hätten, sei der seit gut 20 Jahren versperrte Hauptteil der Stollen immer noch ein Staatsgeheimnis. Denn die Akten unterliegen laut Diester bis auf wenige Ausnahmen der Geheimhaltung. So hätten die Unterlagen zum Bunker für die Jahre 1966 bis 1997 bei der Abgabe ans Bundesarchiv erst 2009 entsprechende Schutzfristen von bis zu 40 Jahren bekommen.

»Seit 13 Jahren«, sagte Deister, »füttere ich zu Schutzbauten der Regierung eine Datenbank mit Dokumenten mit heute 320 000 Seiten und 80 000 Aktenzeichen«, erklärte der Bunkerfachmann. Und er sprach von geheimen »Unterlagen zum konstruktiven Aufbau einer Anlage, die seit ihrer Auflösung 1997 angeblich keine Rolle mehr spielt«. Das Museum in einem der einst geheimsten und bizarrsten Bauwerke Westdeutschlands - es liegt rund 30 Kilometer südlich der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn - zählt nach seinen Worten bis zu 1000 Besucher am Tag.

Das im Jahr 1971 fertiggestellte Tunnelsystem des ehemaligen Regierungsbunkers bestand aus 897 Büro- und 936 Schlafräumen sowie fünf Großküchen und Kantinen. Hinzu kamen abhörsichere Sitzungssäle, Werkstätten und Brunnen. Gegliedert war die Anlage in fünf autarke Bauteile, die im Notfall voneinander hätten abgekoppelt werden konnten. Komfort fehlte: Auch für die höchsten Repräsentanten der Bundesrepublik waren nur Feldbetten vorgesehen. Richtig genutzt wurde der ehemalige Bunker nie. Noch bis zum Jahr 1989 gab es hier aber NATO-Übungen. dpa/nd

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