Zeit für einen Abgesang?

Maria Jordan weiß, dass für Widerstand nur wenig Zeit bleibt

  • Maria Jordan
  • Lesedauer: 2 Min.

Das Jahresende naht. Nur noch gut zwei Wochen verbleiben, bis auch in Berlin um Mitternacht Tausende Korken knallen. Für viele geht dieses Mal am 31. Dezember jedoch nicht nur das Jahr zu Ende. Sondern auch ganze Teile Kiezgeschichte. Denn sowohl die beiden ältesten selbstverwalteten Jugendzentren Potse und Drugstore sowie die seit mehr als drei Jahrzehnten bestehende Kollektivkneipe Syndikat müssen zum Jahresende ihre Räumlichkeiten verlassen. Sie stehen nur beispielhaft für viele alteingegessene Kneipen und Projekte, soziale Einrichtungen, kleine Geschäfte oder Kulturstätten. Viele von ihnen haben bereits ein Auszugsdatum, nur gehen die meisten von ihnen still und leise.

Nicht so Potse/Drugstore und das Syndikat. Sie kämpfen um ihren Verbleib und damit gegen Verdrängung in der ganzen Stadt. Auch jetzt, Tage vor dem Fristende, demonstrieren, protestieren, kämpfen sie. Und so aussichtslos es scheinen mag, die betroffenen Kollektive, ihre Freund*innen und Nachbar*innen zeigen: Es ist noch nicht Zeit für einen Abgesang!

Wenn wir es nicht zulassen, ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Und selbst wenn am 1. Januar die Türen von Syndikat und Potse/Drugstore tatsächlich geschlossen bleiben, dürfen wir nicht aufgeben. Wir, das sind Linke, das sind Berliner*innen, Kiezverbundene, Alte, Junge - das sind alle, die in dieser Stadt leben und nicht mit ansehen wollen, wie ganze Kieze verschwinden, weil - vor allem linke - Infrastruktur verdrängt wird.

Noch sind zwei Wochen Zeit, um zu zeigen, dass noch immer uns die Stadt gehört und nicht Investoren und Unternehmern. Und an Silvester sollten wir darauf anstoßen, dass ab dem ersten Tag des neuen Jahres weitergekämpft wird. Aufgeben ist nicht!

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