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Vorbild aus Fernost

Die deutschen Skispringer wollen Tourneesieger Ryoyu Kobayashi mit dessen Mitteln angreifen

  • Von Lars Becker
  • Lesedauer: 4 Min.

Bischofshofen. Auch wenn die Vierschanzentournee gerade mit dem besten Resultat seit 17 Jahren zu Ende gegangen ist, bleibt es spannend bei den deutschen Skispringern. Vor allem abseits der Schanzen, denn spätestens bis zu den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften Ende Februar in Seefeld soll eine Entscheidung über die Zukunft von Bundestrainer Werner Schuster gefallen sein. Der Vertrag läuft zum Saisonende aus und sein Heimatland Österreich buhlt mit viel Geld um den Erfolgscoach. Horst Hüttel, Verhandlungsführer des Deutschen Skiverbandes (DSV), reist am kommenden Wochenende deshalb extra zum Weltcup nach Val di Fiemme.

»Dort werden die Gespräche mit Werner Schuster weitergehen. Die Chance lebt, dass er beim DSV bleibt. Wir werden darum kämpfen! In den nächsten Wochen wird eine klare Tendenz zu sehen sein«, sagt Hüttel gegenüber dieser Zeitung. Einen Plan B gebe es derzeit nicht, so der sportliche Leiter: »Das kann natürlich auch ein Risiko sein, aber wir würden uns erst anders umschauen, falls Werner nicht bei uns bleibt.« Gespräche mit dem polnischen Cheftrainer Stefan Horngacher habe es demnach bislang nicht gegeben. Der langjährige Co-Trainer von Schuster im DSV gilt als logischer Nachfolgekandidat, da er die Strukturen im Verband genau kennt und ebenfalls als weltweit anerkannter Skisprungexperte gilt.

»Stefan hat bei uns einen tollen Job gemacht, genauso wie in Polen. Auch er will sich Bedenkzeit geben - denn bei ihm spielen genau wie bei Werner Schuster familiäre Aspekte eine Rolle«, sagt Hüttel dazu. Schuster wünscht sich, mehr Zeit für seine beiden Kinder zu haben. Deshalb könnte eine Rückkehr in sein Heimatland reizvoll sein. Den Posten im Österreichischen Skiverband könnte sich der 49-Jährige Schuster im Prinzip aussuchen. Die Schaffung einer neuen Position als Sportdirektor wäre denkbar, fast noch logischer wäre jedoch die Chefposition im Skigymnasium Stams. In der Talentschmiede hat Schuster schon zwischen 1998 und 2007 gearbeitet und dabei unter anderem Weltcup-Rekordsieger Gregor Schlierenzauer ausgebildet. Noch heute wohnt Schuster mit seiner Familie nur ein paar Kilometer Luftlinie von Stams.

Erste Gespräche hat es wohl auch schon gegeben, dennoch könnte sich am Ende die Waage zu Gunsten des DSV neigen. Schuster erklärte, dass nach fast elf Jahren als Bundestrainer sein erster Ansprechpartner natürlich der DSV sei: »Wir haben eine Erfolgsgeschichte geschrieben, die wollen wir weiterschreiben.«

Und schließlich bleibt auch nach der 67. Vierschanzentournee ein wichtiges Ziel offen: Zwar standen der zweitplatzierte Markus Eisenbichler und Stephan Leyhe auf dem Podest, aber den Sieg hatte mit Ryoyu Kobayashi wieder einmal ein Überflieger weggeschnappt. Der Japaner gewann am Sonntagabend in Bischofshofen als dritter Flieger nach dem letzten deutschen Gesamtsieger Sven Hannawald (2002) und Kamil Stoch (2018) alle vier Springen bei einer Tournee.

Grund genug für eine Revanche: Schuster gab für die in sechs Wochen beginnenden Weltmeisterschaften Gold im Team als Ziel aus. Diesen Titel hat Deutschland das letzte Mal vor 18 Jahren gewonnen. »Den Traum vom Tourneesieg haben wir uns nicht erfüllen können. Aber es gibt auch den Traum von einem Mannschaftssieg bei der WM. Unser Potenzial ist hoch. Es müssen nur mal alle Trümpfe an einem Tag stechen«, sagte der Chefcoach.

Eisenbichler und Leyhe sind in der Form ihres Lebens. Genau wie Karl Geiger, der nach seinem ersten Weltcupsieg vor Weihnachten bei der Tournee allerdings an den eigenen Erwartungen scheiterte. Bleiben noch zwei schwächelnde Vorzeigeflieger der vergangenen Jahre, die in den kommenden Wochen zu alter Stärke zurückfinden müssen: Olympiasieger Andreas Wellinger und Richard Freitag. »Von denen erwarte ich, dass sie die Ärmel hochkrempeln«, so Schuster. Dass sie sich dabei vom Flugstil künftig auch an dem »sehr, sehr kompletten Skispringer« Kobayashi orientieren werden, der Eisenbichler um 62,1 Punkte (34,5 Meter) distanzierte, ist gut möglich. »Natürlich geht das nicht bis zum nächsten Weltcup. Aber sein Gesamtpaket von Schuh, Bindung, Ski ist bemerkenswert. Genau wie der Absprung, bei dem er sich ohne Einsatz des Sprunggelenks nach vorn katapultiert«, so Schuster.

Die Jagd nach Kobayashi stachelt den Erfolgscoach an. Und vielleicht bleibt er dem deutschen Skispringen ja auch in einer neuen Konstellation mit mehr Zeit für die Familie erhalten - ob nun in der Talentausbildung oder einer übergeordneten Position. Hüttel: »Es hat Gespräche gegeben, welche Optionen es sonst noch für Werner im DSV geben könnte.«

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