Lage an Bord der »Alan Kurdi« spitzt sich zu

Trinkwasser und Lebensmittelvorräte auf dem Rettungsschiff werden knapp

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Berlin. Die Lage an Bord des deutschen Rettungsschiffs »Alan Kurdi« spitzt sich nach Angaben der Flüchtlingshilfsorganisation Sea-Eye zu. Sechs Tage nach der Rettung von 64 Flüchtlingen vor der libyschen Küste würden Trinkwasser und Lebensmittelvorräte an Bord knapp, teilte die Organisation am Dienstag mit. Die Einsatzleitung an Bord habe die maltesischen Behörden informiert, dass »spätestens am Mittwoch« Nachschub benötigt werde. Zudem musste eine Frau wegen Kreislaufproblemen und »zunehmenden Bewusstseinsstörungen« nach Malta gebracht werden.

Das Schiff der in Regensburg ansässigen Organisation Sea-Eye hatte die Schutzsuchenden am vergangenen Mittwoch vor der libyschen Küste aus einem Schlauchboot gerettet. Unter den Geretteten sind den Angaben zufolge zwölf Frauen, ein Kind und ein Baby.

»Die Leute hier tragen ihre Kleidung teilweise schon seit Wochen am Leib. Das sind unsägliche Umstände an Bord eines europäischen Schiffes«, erklärte Einsatzleiter Jan Ribbeck laut Mitteilung. Die meisten Menschen müssten an Deck schlafen. Dort seien sie weder vor dem Wetter noch vor dem Meerwasser geschützt. »Die Menschen frieren, sie werden immer wieder nass und natürlich hat niemand Wechselkleidung dabei.«

Die »Alan Kurdi« sucht derzeit einen Hafen in der EU, in den sie sicher einlaufen kann. Italiens faschistischer Innenminister Matteo Salvini hatte eine Aufnahme der Menschen abgelehnt und Deutschland aufgefordert, sich um das »Problem« zu kümmern. Er sieht die Zuständigkeit bei Deutschland, weil es sich um ein deutsches Schiff handelt. Das Schiff navigiert seit sechs Tagen ohne Anlegeerlaubnis im Mittelmeer.

Die sächsische Landtagsabgeordnete Juliane Nagel (LINKE) hat dazu aufgerufen, die Menschen in Leipzig aufzunehmen. »Menschenleben sind keine Verhandlungsmasse«, erklärte Nagel.

Der Leipziger Stadtrat hatte sich auf Initiative der Linksfraktion, der auch Nagel angehört, vor knapp vier Wochen mehrheitlich dafür ausgesprochen, »sicherer Hafen« für Flüchtlinge zu werden. Laut dem Beschluss will die Stadt pro Jahr bis zu 100 Gerettete zusätzlich zu denjenigen Flüchtlingen aufnehmen, die durch die bundesweite Verteilung ohnehin auf Leipzig entfallen. Der Initiative gehören bundesweit mehrere Dutzend Kommunen an.

»Jetzt ist die Gelegenheit, den Beschluss mit Leben zu erfüllen und dafür zu sorgen, dass zumindest ein Teil der aus Seenot geretteten Geflüchteten schleunigst einen 'sicheren Hafen' finden«, erklärte Nagel. Dabei sei Leipzig jedoch wie alle Kommunen von der Zustimmung in Bund und Ländern abhängig. Sie appelliere daher an Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und dessen sächsischen Amtskollegen Roland Wöller (CDU), zu handeln, sagte die Abgeordnete.

Laut Sea-Eye hatte sich Italien aber bereiterklärt, zwei Kinder und deren Mütter »aus humanitären Gründen« von Bord zu bringen. Salvini zufolge lehnte die Hilfsorganisation aber eine Trennung der Familien ab.

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums hat die Bundesregierung die EU-Kommission gebeten, die Koordinierung des Falls zu übernehmen »und zu bewirken, dass das Rettungsschiff in einen sicheren Hafen einlaufen kann«. Sea-Eye teilte am Dienstagmorgen mit, bis Montagabend habe »es aus Brüssel jedoch noch keine messbaren Erfolgsmeldungen« gegeben. Agenturen/nd

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