»Den Worten Taten folgen lassen«

Der Kakaobauer Pomasi Ismail aus Ghana setzt sich für ein existenzsicherndes Einkommen ein

  • Lesedauer: 3 Min.
Nach der Ernte wird getrocknet: Kakaoschoten.
Nach der Ernte wird getrocknet: Kakaoschoten.

300 Vertreter*innen von Kakaobauernorganisationen, aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft diskutierten im Oktober auf einer internationalen Konferenz zur Zukunft des Kakaoanbaus. Unter anderem die Frage, was sich im Kakaoanbau ändern muss. Haben Sie auf diese Frage schon eine überzeugende Antwort erhalten?
Pomasi Ismail: Die Mehrheit der Kakaobauernfamilien verfügt nicht über ein existenzsicherndes Einkommen. Wenn es zu Veränderungen kommen soll, dann müssen Kakaobauern ein höheres Einkommen erzielen, um so der Armut zu entkommen. Die entscheidende Frage ist, wer daran etwas ändern kann. Die Regierungen der Côte d’Ivoire und Ghanas sind aktiv geworden (siehe »Faire Preise für das braune Gold«, Seite 6). Es ist gut, dass sie gemeinsam versuchen, den Preis stabil zu halten, und einen zusätzlichen Aufschlag eingeführt haben, der ein erster Schritt hin zu einem existenzsichernden Einkommen ist.

Diesen zusätzlichen Aufschlag auf den Weltmarktpreis von 400 US-Dollar pro Tonne Kakao müssen die Unternehmen tragen. Sind sie dazu bereit?
In den vergangenen Wochen sah es so aus, als würden sich viele Unternehmen dem neuen Preissystem verweigern. Die Regierungen haben deshalb den Druck erhöht und den Unternehmen angekündigt, dass sie keine Nachhaltigkeitsprojekte mehr akzeptieren, wenn der Aufschlag nicht gezahlt wird. Viele Unternehmen waren besorgt über diese Androhung und haben nun eingelenkt. Allen muss klar sein, dass allein mit Nachhaltigkeitsprojekten und Zertifizierung nicht die notwendigen Veränderungen für einen nachhaltigen Kakaosektor erreicht werden. Es braucht beides: Nachhaltigkeitsprojekte und die Zahlung von höheren Preisen.

Werden die höheren Einnahmen aus dem Kakaoanbau bei den Bauern wirklich ankommen?
Wir werden das genau beobachten. Kakaobauernorganisationen und Zivilgesellschaft müssen sicherstellen, dass die Versprechen umgesetzt werden. Es ist gut, dass SEND-Ghana uns dabei unterstützt.

Sie haben an einer der Schulungen von SEND-Ghana teilgenommen. Was hat sich dadurch für Sie verändert?
Wenn wir früher ein Problem als Kooperative hatten, haben wir spontan bei irgendeiner Behörde angerufen und uns beschwert. Bei SEND habe ich gelernt, strategisch vorzugehen und erst mal zu überlegen, was das Hauptproblem ist: Wer kann an unserem Problem wirklich etwas verändern und wer sind unsere Verbündeten? Wir bereiten uns besser vor, wenn wir bei wichtigen Institutionen vorsprechen und uns für die Interessen der Kakaobauern einsetzen. Für meinen Redebeitrag auf der Konferenz war ich durch SEND-Ghana sehr gut vorbereitet. Ich wusste, dass sehr viele wichtige Menschen hier sind und ich mein Anliegen überzeugend und prägnant rüberbringen muss. Früher habe ich lange um den Kern einer Sache drum herum geredet. Jetzt sage ich klar und präzise, was ich erreichen möchte.

Meinen Sie, dass sich durch solche internationalen Konferenzen etwas ändern kann?
Die Analysen auf der Konferenz sind gut und wichtig. Kaum jemand bestreitet, dass wir höhere Preise brauchen - aber die Bauern müssen auch ihre Anbaupraktiken noch weiter verbessern. Solche Verständigungsprozesse sind natürlich wichtig. Doch eigentlich wissen nun alle Teilnehmer, was sich ändern muss. Deshalb ist es jetzt an der Zeit, den Worten Taten folgen zu lassen!

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