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Es ist alles nur Theater!

Trump und Twitter brauchen sich gegenseitig, Marktmacht und Wählerunterdrückung sollte stattdessen Thema sein

  • Von Moritz Wichmann
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Kontroverse um die Twitter-Factchecks unter Trump-Tweets zu angeblichem Wahlbetrug durch Briefwahlstimmen ist unehrlich und absurd, für beide Seiten. Sie zeigt, dass Twitter kein systematisches Vorgehen im Umgang mit Falschinformation auf der Plattform hat.

Facebooks auch nicht perfekter Umgang ist deutlich ausgereifter, die Plattform arbeitet mit Fact Checkern und Zeitungen zusammen. Twitter verlinkte nun lediglich Zeitungsartikel, labelte den Factcheck nicht als solchen, sondern erweckte mit der Korrektur unter Trumps Tweet eher den Eindruck, es gebe zusätzliche »Fakten«.

Trump selber bedient mit seiner Reaktion auf den Twitter-Factcheck, durch seine Ankündigung, gegen Social-Media-Firmen vorgehen zu wollen, wie auch schon in den Monaten zuvor eine beliebte Kritik unter Amerikas Konservativen, nämlich die eines »liberalen Vorurteils« der Plattformen gegen Konservative, obwohl Studien zeigen, dass es die vermeintliche Konservativen-Diskriminierung nicht gibt.

Das Gleiche gilt für seine Behauptung des Briefwahlbetrugs oder noch allgemeiner des angeblich weit verbreiteten Wahlbetrugs. Beides ist durch Politikwissenschaftler und Kommissionen, auch der Trump-Regierung selbst, mehrfach widerlegt worden beziehungsweise befindet sich im Mini-Promillebereich.

Die ganze »Kontroverse« ist auch unehrlich, weil beide Seiten sich brauchen. Trump wird sein Lieblingstool, um an den amerikanischen Medien vorbei direkt mit seinen Wählern zu kommunizieren, nicht verbieten (abgesehen davon, dass er es nicht kann), und Twitter braucht die Kontroverse, die Wut, die Trump mit seinem Profil verursacht und anstachelt, weil soziale Medien in hohem Umfang auch über Emotion funktionieren.

Also: Es gibt nichts zu sehen, weitergehen! Oder Popcorn-Tüte rausholen! Besser wäre: Sich mit den Anti-Trust-Verfahren, die gerade in verschiedenen US-Bundesstaaten wegen übergroßer Marktmacht der Tech-Konzerne vorbereitet werden, zu beschäftigen.

Noch besser gar: die unsere Demokratie immer mehr beherrschenden Tech-Giganten endlich aufbrechen und vergesellschaften. Vor allem aber: Sich mit der Wählerunterdrückung von Trump und US-Republikanern befassen und dagegen vorgehen.

Was gestern nämlich auch bekannt wurde: Trumps Pressesprecherin Kayleigh McEnany hat in den letzten zehn Jahren elf Mal per Briefwahl gestimmt, doch öffentlich lehnt sie die Ausweitung der Briefwahl ab.

Damit zeigt sie, worum es den Republikanern geht: Sie sind gegen eine Ausweitung der Briefwahl beziehungsweise, dass die auch Minderheiten und Wählern der Demokraten offensteht. Dabei zeigen bisher vorliegende Zahlen, dass eine Ausweitung der Briefwahl keiner Partei einen Vorteil verschafft.

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