Neue Risiken

Australien rüstet für eine Welt nach der Pandemie

  • Von Barbara Barkhausen
  • Lesedauer: 3 Min.

Australien blickt mit Sorge auf die Zeit nach der Pandemie. Laut Premierminister Scott Morrison werde die Welt nach Covid-19, »ärmer, gefährlicher und ungeordneter« sein. Deswegen soll das Verteidigungsbudget gestärkt und ein stärkerer Fokus auf die indopazifische Region gelegt werden.

Um Australien im Falle eines Angriffs schützen zu können, investiert das Land 270 Milliarden Australische Dollar (165 Milliarden Euro) in den Ausbau seiner militärischen Fähigkeiten. Die Investitionen sollen vor allem in Langstreckenraketen gehen.

Unter anderem wird Australien der US-Marine den Seezielflugkörper AGM-158C für 800 Millionen Australische Dollar (490 Millionen Euro) abkaufen. Außerdem sollen die Cyberfähigkeiten ausgebaut und ein Hightech-Unterwasserüberwachungssystem aufgebaut werden. Auch die rund 60 000 Mann starke Truppe soll um weitere 800 Soldaten aufgestockt werden.

In seiner Rede vor der Australian Defence Force Academy argumentierte Morrison, der Indopazifik sei das »Epizentrum« eines zunehmenden strategischen Wettbewerbs und »das Risiko von Fehlkalkulationen und sogar Konflikten« steige. Das australische Militär brauche deswegen stärkere Abschreckungsfähigkeiten, sagte Morrison. Der Regierungschef hofft, auf diese Weise einem potenziellen Angriff auf Australien und einem Krieg vorbeugen zu können.

Die Entscheidung fiel vor dem Hintergrund anhaltender Spannungen zwischen Australien und China. Denn obwohl beide Länder bisher enge Handelsbeziehungen pflegten - China ist Australiens größter und wichtigster Handelspartner - ist das Verhältnis der beiden Länder über die vergangenen Wochen auf einen Tiefpunkt gesunken. Inzwischen warnt China seine Bürger vor Reisen nach Australien und rät von einem Studium an australischen Universitäten ab. Grund sei eine Zunahme rassistischer Übergriffe auf Chinesen, etwas, das die australische Regierung bestreitet.

Nach diplomatischen Wortgefechten haben die Chinesen zudem hohe Tarife auf australische Gerste erhoben und untersagen den Import von Rindfleisch aus vier australischen Schlachthöfen. Auch Berichte über chinesische Hackerangriffe und Spionage in Australien sowie Chinas »heimliche« Investitionen im Pazifik belasten das Verhältnis seit Längerem.

Auslöser für die »chinesische Verstimmung« mit Australien ist die Forderung der australischen Regierung nach einer unabhängigen Untersuchung des Ursprungs der Pandemie. Chinesische Staatsmedien bezeichneten Australien daraufhin als »Riesenkänguru, das sich als Wachhund der USA« gebärde, sprich Australien »kläffe« nur nach, was der große Bruder Amerika von ihm verlange.

Laut Hugh White, einem Strategieexperten an der australischen Nationaluniversität in Canberra, hat Peking beschlossen, den Australiern zu zeigen, »dass es nicht die Vorteile einer engen wirtschaftlichen Beziehung zu China genießen und gleichzeitig Amerikas neue harte Linie gegen China unterstützen kann«. An Australien soll so ein Exempel an Australien zu statuiert werden, um andere Länder, insbesondere in Asien, davon zu überzeugen, Washingtons Führung nicht zu folgen.

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