Worauf künftige Studenten bei der Bewerbung achten müssen

Fragen & Antworten vor dem Wintersemester 2020/2021

Für viele Schulabgänger hat in diesen Wochen die Bewerbungsphase um einen Studienplatz eingesetzt. Damit stehen sie nach einem von der Corona-Krise geprägten letzten Schuljahr vor der nächsten großen Herausforderung. Denn die Konkurrenz um Studienplätze ist groß.

Wer sich über mögliche Studiengänge informiert, bekommt schnell den Eindruck, dass vor allem Überflieger eine Chance auf einen Platz an den Hochschulen haben. Schüler mit mittelmäßigem Abitur-Durchschnitt zweifeln dann schnell, ob die Noten überhaupt zum Studieren reichen.

Hat der Abitur-Jahrgang 2020 schwierigere Voraussetzungen?

«Viele Studieninteressierte haben in diesem Jahr unter den außergewöhnlichen Abitur-Bedingungen angesichts von Corona gelitten», sagt Frank Ziegele, Geschäftsführer des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh. Doch es gibt auch gute Nachrichten: In Deutschland sind zum Wintersemester 2020/2021 prozentual erneut weniger Studiengänge zulassungsbeschränkt als noch im Vorjahr. Bundesweit braucht es für 40,6 Prozent (Vorjahr 40,7) der Studiengänge eine Mindestnote im Abitur oder andere Anforderungen. Zu diesem Ergebnis kommt der jährliche «Check Numerus Clausus» des CHE.

«Dass auch in diesem Jahr für knapp 60 Prozent aller Studiengänge die Abiturnote keine Rolle spielt, ist da sicher eine gute und beruhigende Nachricht», so Ziegele. Positiv sei auch, dass gerade in den Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen die Quote zulassungsbeschränkter Studienangebote im Vergleich zum Vorjahr gesunken ist. Die drei Städte sind bei Erstsemestern sehr beliebt.

Wie kommt man mit miesen Noten doch in einen zulassungsbeschränkten Studiengang?

«Es lohnt sich für Studieninteressierte, immer den Blick über den Tellerrand beziehungsweise die Grenze des Bundeslandes zu weiten», sagt der Autor der CHE-Studie, Cort-Denis Hachmeister. «Oft gibt es gleichwertige Alternativen ohne Numerus Clausus sogar an benachbarten Hochschulen.» So liege etwa in Saarbrücken die NC-Quote bei rund 65 Prozent, in den rund 60 Kilometer entfernten Städten Trier und Kaiserslautern jedoch nur bei 8 Prozent.

Was bedeutet das für die Bewerbungen?

Hachmeister empfiehlt, sich immer auch eine zulassungsfreie Alternative zurechtzulegen. «Auf die man dann zurückfallen kann, wenn es bei den zulassungsbeschränkten Studiengängen, die man haben möchte, eben nicht klappt.» Er empfiehlt, bei der Bewerbung für die Hochschule «mehrgleisig zu fahren, um am Ende nicht ohne Studienplatz dazustehen.» Recherche und Suche nach Studienalternativen sei immer gut, bestätigt auch der Vorsitzende des Dachverbands der Studienberatungen (Gibet), Martin Scholz.

Welche Kniffe und Tricks gibt es noch?

NC-Verfahren sind grundsätzlich geregelte und transparente Verfahren. «Geheimwissen» gibt es Scholz zufolge nicht. Er rät zur Nutzung des Hochschulkompasses der Hochschulrektorenkonferenz, auf dem auch der NC-Check des CHE basiert. «Das ist die einzige, auf Vollständigkeit ausgelegte Datenbank, wo wir in den Hochschulen alle halbe Jahre aktualisieren.» Studiengänge haben teilweise ähnliche Entsprechungen, auf die man als suchende Person nicht kommt, erklärt er. Wer an Biologie und Chemie interessiert ist, wird hier nicht nur die expliziten Bachelor des Faches finden, sondern vielleicht auch den Biochemie-Bachelor oder den Live Science«-Bachelor und so weiter und so fort.

Und wenn es das Wunschfach nirgends NC-frei gibt?

»Es gibt nach wie vor immer noch die Klassiker, die bundesweit immer zulassungsbeschränkt waren«, sagt Scholz. Darunter fallen beispielsweise die medizinischen Studiengänge. »Da gibt es keine Möglichkeit«, macht der Studienberater der Leibniz-Universität in Hannover klar. dpa/nd

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