Studienunwesen

Zur »Vereinigung« gibt es genug Umfragen, aber kaum Veränderung, findet Jana Frielinghaus

Die Tatsachen liegen seit langem auf dem Tisch. Ostdeutsche bekommen bis heute 14 Prozent weniger Geld für ihre Arbeit, obwohl sie länger malochen. In Behörden und öffentlichen Einrichtungen der ostdeutschen Länder sind die Leitungspositionen bis heute zu mehr als 90 Prozent mit Westdeutschen besetzt - was Folge der Brandmarkung der DDR als »zweite deutsche Diktatur« ist. Jetzt müsse endlich richtig gemacht werden, was damals bei der Entnazifizierung nicht so richtig angepackt wurde, begründete man den Personalaustausch in Verwaltung, Schulen, Gerichten, Universitäten. Dass das auch eine Verhöhnung der Opfer der Nazidiktatur ist, fällt bis heute nur wenigen auf.

Dazu das Vorgehen der Treuhandanstalt, die im Interesse der Ende der 1980er Jahre heftig kriselnden bundesdeutschen Industrie die Deindustrialisierung Ostdeutschlands durchdrückte, flankiert von der rasanten Währungsunion, die viele Betriebe in die Insolvenz trieb. Bis heute ist Ostdeutschland überwiegend nicht mal verlängerte Werkbank für westeuropäische Konzerne. Dass dieser Zustand das Ziel dessen war, was euphemistisch als »Vereinigung« bezeichnet wird, lässt sich inzwischen ganz gut belegen. Wissen will es kaum wer.

Studien wie jene, die die Bertelsmann-Stiftung am Montag vorgelegt hat, illustrieren lediglich die Einflüsse, die diese Vorgänge auf das Denken verschiedener Bevölkerungsgruppen haben. Dass gesamtdeutsche Sozialpolitik seither eine des Abbaus von Rechten war, weil man nicht mehr das Schaufenster nach Osten sein musste, ist eine Erkenntnis, die solche Untersuchungen niemals liefern. Dabei wäre gerade die entscheidend für die von Angleichung der Lebensverhältnisse nach unten Betroffenen. Es könnte sie motivieren, die Einheit von unten zu vollenden und für die gemeinsamen Interessen zu kämpfen.

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