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Zum Leben zu wenig, aber von Relevanz

Die Politik erlaubt nun doch den deutschen Sportvereinen, ihre Stadien zu einem Fünftel zu füllen

  • Michael Wilkening, Mannheim
  • Lesedauer: 4 Min.

»Ich komme gerade aus einer Sitzung, die anderen machen noch weiter«, sagte Jennifer Kettemann am Mittwoch. Die Geschäftsführerin der Rhein-Neckar Löwen hat viele Tage mit einem eng getakteten Terminplan, doch dieser Tage wurde es noch ein bisschen hektischer. Die Handball-Bundesliga startet Anfang Oktober in ihre neue Spielzeit, und nachdem sich Kettemann und die Löwen in der vergangenen Woche dazu entschieden hatten, im Oktober zunächst auf Zuschauer bei Heimspielen zu verzichten, wird jetzt neu überlegt. Die Euphorie mag nicht so groß gewesen sein, dass am frühen Dienstagabend gleich die Korken aus den Sektflaschen knallten. Doch die Verantwortlichen in den deutschen Profisportligen neben dem Fußball haben die Entscheidungen auf der politischen Ebene erfreut zur Kenntnis genommen, zumindest für einen Testzeitraum von sechs Wochen länderübergreifend Zuschauer in Stadien und Arenen zuzulassen.

Das gibt den Klubs in der Eishockey-, Basketball- oder Handball-Bundesliga Spielraum und - viel wichtiger noch - Hoffnung auf eine weitere Lockerung der Besucherbeschränkungen. Für den Handball-Erstligisten aus Mannheim bedeutet die Entscheidung der Bundesländer, dass bei einer zugelassenen Hallenauslastung von 20 Prozent etwas mehr als 2600 Zuschauer in die 13 200 Besucher fassende Heimarena kommen dürfen. Offen ist noch, ob die Löwen diese Möglichkeit auch nutzen. »Wir möchten unseren Fans, besonders den Dauerkarteninhabern, die Möglichkeit geben, müssen aber die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen prüfen«, erklärte Kettemann. Schließlich wird schon ohne Corona-Maßnahmen ein Heimspiel des deutschen Meisters von 2016 und 2017 erst bei mehr als 4000 Besuchern rentabel. Die Umsetzung von Hygienekonzepten verschlingt weitere Mittel.

Ein Ende der Sorgen ist die Entscheidung aus Berlin für die Handballklubs also nicht. Es geht im Moment nicht darum, Geld zu verdienen, sondern die Voraussetzungen dafür zu schaffen. »Das ist dringend notwendig, auch wenn die 20 Prozent auf Dauer nicht ausreichen«, sagte Frank Bohmann dem TV-Sender Sky. Der Chef der Handball-Bundesliga ist dankbar für einen Startschuss zurück in die Normalität, weiß aber, dass Ende Oktober weitere Lockerungen nach dem Ende der Testphase nötig sind, um dauerhaft das Überleben der Klubs zu sichern. Wäre es noch ein halbes Jahr komplett ohne Zuschauer gelaufen, »hätte es definitiv keinen Handball, keinen Basketball, kein Eishockey mehr gegeben«, so Bohmann.

Die Basketball- und Eishockeyvereine werden die Umsetzung der Testphase interessiert, aber von außen verfolgen. Sie hatten ihren Start der Profiligen wegen der Pandemie in den November verschoben, im Basketball ist ab Mitte Oktober nur ein abgespeckter Pokalwettbewerb geplant. »Wie es danach weitergeht, müssen wir abwarten. Erst mal muss diese wissenschaftlich begleitete Testphase funktionieren«, sagte Stefan Holz. Für den Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga sind die Entscheidungen auf politischer Ebene ein wichtiger und großer »Vertrauensvorschuss«.

In den zurückliegenden Monaten hatten die großen Profiligen neben dem Fußball versucht, Einfluss auf politische Entscheidungsträger zu nehmen und sich dafür zusammengeschlossen. Im Gegensatz zu den Fußball-Bundesligen, die wegen enormer Erlöse in der TV-Vermarktung ihren Betrieb auch ohne oder mit geringen Erlösen aus dem Ticketverkauf bestreiten können, droht den Hallensportarten schnell die Luft auszugehen, wenn keine Zuschauer in die Arenen kommen können. Vor allem auf die Einnahmen der Sponsorenkarten sind die Vereine angewiesen.

Oft fühlten sich die Sportarten hinter dem Fußball zurückversetzt, schließlich blieb neben den Bundesligen nur noch wenig Licht. Der Fußball fungierte zuletzt aber als eine Art Steigbügelhalter für die Hallensportarten. In der schwierigen Phase durch die Coronakrise bekamen letztere nun Hilfe vom übergroßen Bruder - der machte seinen Einfluss nämlich geltend, um eine möglichst einheitliche Lösung für die Rückkehr von Zuschauern zu ermöglichen.

Und doch wird es zu regionalen Unterschieden kommen, wie sich schon in der dritten Fußballliga zeigte. Dort durften die Klubs aus Dresden und Rostock bereits am vergangenen Wochenende mehr als 20 Prozent ihrer Stadionplätze in der ersten Runde des DFB-Pokals besetzen. Die örtlichen Gesundheitsbehörden waren bei der Zustimmung zu den eingereichten Hygienekonzepten großzügig vorgegangen, weil das Infektionsgeschehen dort derzeit niedrig ist.

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