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Aufklärung statt Hetze

Meine Sicht: Marie Frank über den Einfluss von Verschwörungsideologen

  • Marie Frank
  • Lesedauer: 2 Min.

Wer glaubt, dass die Verschwörungsanhänger*innen rund um Chef-Ideologen wie Attila Hildmann bloß harmlose Spinner sind, wird spätestens jetzt eines Besseren belehrt. Zugegeben, die Fantasien des rechten Vegan-Kochs eignen sich hervorragend als Witzvorlage. Wer glaubt schon wirklich, dass sich im Pergamonmuseum mit dem Baal-Altar der »Thron Satans« befindet, auf dem die »globalen Satanisten und Corona-Verbrecher« nachts Menschen opfern und Kinder schänden?

Nicht allzu wenige offensichtlich. Nun ist zwar noch nicht sicher, ob es wirklich Attila-Hildmann-Anhänger*innen waren, die im Pergamonmuseum am 3. Oktober massenhaft Kunstwerke beschädigten, aber der zeitliche Zusammenhang mit der Verschwörungs-Demo dürfte kaum Zufall sein. Schließlich ruft Hildmann schon seit Monaten zur Vernichtung der »Hinterlassenschaften der Satanisten« im Pergamonmuseum auf. Allein sein Telegram-Kanal hat mehr als 100 000 Abonnent*innen. Das ist mehr als so manche überregionale Zeitung an Auflage hat. Selbst wenn die Hälfte davon Schaulustige sind, bleiben immer noch zu viele übrig, die Hildmann mit seinen menschenfeindlichen Aussagen erreicht. Wohin das führen kann, haben bereits die antisemitischen Übergriffe auf den Demos des ausgewiesenen Reichskriegsflaggen-Fans gezeigt.

»Herr, lass Hirn regnen!«, möchte man angesichts dieser kollektiven Verdummung rufen. Aber Stoßgebete allein reichen nicht mehr aus. Dieser Gefahr muss politisch begegnet werden, auch wenn solchen Ideologien rational ebenso schwer beizukommen ist wie religiösen Wahnvorstellungen. Und was ist diese ganze Verschwörungsszene, wenn nicht eine Art Ersatz-Religion im spätkapitalistischen Zeitalter? Mögen viele ihrer Anhänger*innen längst verloren sein - nun muss dafür gesorgt werden, dass es nicht noch mehr werden. Das wichtigste Mittel ist hierbei die Aufklärung. Die schulische Vermittlung von Medienkompetenz, um zwischen wahnhaften Verschwörungsmythen à la Hildmann und seriöser Berichterstattung durch Journalist*innen unterscheiden zu können, wäre dafür ein erster wichtiger Schritt.

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