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Anwalt aller Sportarten

Der Profifußball beginnt, sich gegen politische Corona-Maßnahmen zu wehren

  • Von Frank Hellmann, Frankfurt am Main
  • Lesedauer: 3 Min.

Zu Beginn des Geisterspielbetriebs hatte Eintracht Frankfurt auf jeglichen Firlefanz auf den Tribünen verzichtet. Keine Pappkameraden, keine Werbeplakate. Das erneute Zuschauerverbot hat ein Umdenken befördert: Am vergangenen Sonnabend beim 1:1 gegen Werder Bremen waren über die Gegentribüne und die Kurven große Banner gespannt: von Jürgen Grabowski mit dem DFB-Pokal 1974 und 1975, über »Harry« Karger und Co. mit dem Uefa-Cup 1980 bis hin zu Ante Rebic beim Pokaltriumph 2018. Im Fernsehen wirkt es dann doch besser, wenn Frankfurter Helden - und die Eintracht-Sponsoren - zu sehen sind, statt lauter leerer Schalensitze. Trotzdem bleibt auch dieser Anblick für Vorstandsmitglied Axel Hellmann schwer erträglich. Als erster Funktionär aus der Bundesliga hat der 49-Jährige nun rechtliche Bedenken angemeldet. »Ein kompletter Zuschauerausschluss stellt einen so starken Eingriff in die Rechte dar, dass ich das für nicht verhältnismäßig und für juristisch angreifbar halte. Vor allem, wenn man sich die eher dünnen Rechts- und Entscheidungsgrundlagen, auf denen das jeweils fußt, vor Augen hält«, sagte er in einem »Kicker«-Interview. Gegenwärtig sei noch keine Klage geplant, aber mal sehen, wie lange der Lockdown noch dauere, teilte der Jurist auf Anfrage mit.

Der in der Liga gut vernetzte Strippenzieher stört sich an Symbolpolitik und vermisst Augenmaß: »Wir können nicht warten, bis uns ein Impfstoff in eineinhalb oder zwei Jahren wieder volle Stadien erlaubt. Wir müssen jetzt einen Umgang finden mit der Situation bei vertretbarem Risiko. Dafür plädiert in der Bundesliga eigentlich jeder.« Gemäß einem ausgefeilten Hygienekonzept hatte die Eintracht - mit Genehmigung der örtlichen Behörden - gegen Arminia Bielefeld und Hoffenheim 6500 bzw. 8000 Zuschauer in der 51 500 Plätze bietenden Arena begrüßt. Die Besucher verhielten sich äußerst diszipliniert, das weitläufige Areal im Stadtwald machte das Abstandhalten einfach - und nicht mal Familien saßen auf den Rängen zusammen. »Durch das Feedback des Gesundheitsamts, des Gesundheitsdezernenten und der Uniklinik Frankfurt wissen wir, dass es nicht einen nachvollzogenen Infektionsfall bei unseren Besuchern gegeben hat«, betont Hellmann, der folgert: »Vom Stadionbesuch in der jetzigen Form geht also keine über das allgemeine Risiko hinausgehende Gefahr aus.«

Der Frankfurter Funktionär sieht sich dabei auch als Anwalt anderer Sportarten, die unter dem Publikumsausschluss noch viel heftiger leiden. Der Profifußball generiert nur knapp 13 Prozent seiner Erlöse über das Ticketing, in der Deutschen Eishockey-Liga oder der Handball-Bundesliga machen Zuschauereinnahmen rund ein Drittel aus. »Wenn man nicht will, dass der gesamte Profisport zerstört wird, wird man sich mit tragfähigen Konzepten arrangieren müssen«, fordert Hellmann.

Der Grat ist schmal, auf dem der Profifußball mit seinem Sonderstatus wandelt. DFL-Aufsichtsratschef Peter Peters verlangte am Sonntag, man müsse »auch eine faktenorientierte Diskussion zulassen«. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert hatte vor dem Lockdown angemahnt, unbedingt auch »Moral, Zuversicht und eine positive Zukunftsprognose für ganz viele Menschen« zu bewahren. Mit zu absoluten Forderungen hielt sich die DFL-Führungsriege aber zurück - denn ohne Verbindungen in höchste politische Kreise hätte die Bundesliga nicht so früh im vergangenen Mai den Re-Start hinbekommen.

Auch Eintrachts Sportvorstand Fredi Bobic hatte am Wochenende seinen Ärger über »unverhältnismäßige« Entscheidungen artikuliert. Er könne den Zwang zu neuen Geisterspielen nicht verstehen, »wenn das gesittet abläuft, wie es in allen Stadien abgelaufen ist«. Mit einem Zuschauerausschluss von unbekannter Dauer vergrößern sich die finanziellen Nöte sogar für diejenigen, die wie Eintracht Frankfurt zuletzt üppige Überschüsse erwirtschaftet hatten. Hellmann gibt zu, für die zweite Halbserie nahezu mit einer Vollauslastung der Arena geplant zu haben. Man käme »in der laufenden Saison ganz schnell auf ein Minus von 50 bis 70 Millionen Euro, wenn auch die Rückrunde weitgehend ohne Zuschauer verläuft«.

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