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Der Mann des Geisterspiels

Max Kruse unterstreicht beim 3:1-Sieg in Hoffenheim seinen Wert für den 1. FC Union Berlin

  • Von Matthias Koch, Hoffenheim
  • Lesedauer: 4 Min.

Max Kruse musste viele Interviews geben. Der Offensivspieler des 1. FC Union Berlin ging am Montagabend als letzter Fußballer in die Katakomben der Arena von Sinsheim. Keine Frage, der 32-Jährige war bei angenehmen Temperaturen um die 20 Grad der Mann des Geisterspiels. Mit einem Elfmetertor zum 1:0 nach einer Stunde Spielzeit sowie den Vorlagen zu den Treffern zum 2:1 in der 85. Minute durch den finnischen Nationalspieler Joel Pohjanpalo und zum 3:1 durch Cedric Teuchert in der vierten Minute der Nachspielzeit hatte Kruse entscheidenden Anteil am ersten Auswärtssieg der Köpenicker in dieser Saison. »Wir sind froh, dass wir gewonnen haben. Wir wussten, was Hoffenheim für ein starker Gegner ist. Wozu sie in der Lage sind, haben sie auch schon zu Hause gegen den FC Bayern (4:1 - Anmerkung der Redaktion) gezeigt. Aber sie haben am Donnerstag noch in der Europa League gespielt«, meinte Kruse. »Wir hatten schon in der ersten Hälfte ganz gute Tormöglichkeiten. Der Elfmeter und die Rote Karte für Hoffenheim kamen uns zugute. Im Endeffekt haben wir dann die Chancen vorn gut ausgespielt.«

Aber auch schon vor dem Platzverweis für Robert Skov, der Sebastian Griesbeck bei einer Torchance im Strafraum von den Beinen geholt hatte, war Union auch dank Kruse mit den Hoffenheimern auf Augenhöhe. Die Berliner wirkten schon in den vergangenen Wochen im Vergleich zur Premierensaison in der Bundesliga spielerisch verbessert. Im Vorjahr war Hoffenheim die einzige Mannschaft, gegen die Union in beiden Meisterschaftsspielen (0:2 und 0:4) kein Treffer gelungen war. Jetzt kamen die Eisernen zu ihren ersten Toren und Punkten gegen die TSG.

Gegenüber dem deutlichen 0:4 am vorletzten Spieltag der vergangenen Saison zeigte die Mannschaft des 1. FC Union in Sinsheim diesmal schon äußerlich ein stark verändertes Gesicht. Von der damaligen Anfangsformation standen lediglich Innenverteidiger Marvin Friedrich und Mittelfeldmann Robert Andrich von Beginn an auf dem Platz. Sechs Spieler, die am 20. Juni noch das rot-weiße Trikot getragen hatten, haben den Verein in der Sommerpause verlassen. Und Unions Trainer Urs Fischer konnte am Montagabend zudem mit seiner Startelf überraschen. Mit vier Wechseln rotierte er öfter als die am Donnerstag noch in der Europa League mit 4:1 bei KAA Gent siegeichen Hoffenheimer, bei denen Trainer Sebastian Hoeneß nur zwei Änderungen vorgenommen hatte.

Zwangsläufig mussten die Berliner auf Kapitän Christopher Trimmel und Offensivmann Marcus Ingvartsen verzichten, die sich beide mit muskulären Problemen plagen. Fischer scheute sich aber auch nicht, Verteidiger Florian Hübner erstmals überhaupt in dieser Saison und den defensiven Mittelfeldmann Griesbeck erstmals von Beginn an aufzustellen. Letzterer belebte auch sichtlich das Offensivspiel. Das spricht für die verbessere Qualität im Kader, die es sogar erlaubt, dem erstarkten Flügelstürmer Sheraldo Becker mal eine Bankpause zu gönnen.

Gegen durchaus spielstarke Hoffenheimer überstand Union auch die heikle Phase nach dem 1:1-Ausgleich durch Munas Dabbur in der 80. Minute. »Ich hatte den Eindruck, dass wir mit der Überzahl ein bisschen mehr Probleme bekommen haben. Wir sind ein bisschen passiver geworden«, sagte Routinier Christian Gentner. Das missfiel auch Chefcoach Fischer. Am Ende führten aber die Treffer der eingewechselten Pohjanpalo und Teuchert die Entscheidung herbei.

Und so gehen die Köpenicker vor dem nächsten Heimspiel am kommenden Sonnabend gegen Aufsteiger Arminia Bielefeld weiter auf Rekordjagd. Der siebte Rang, die bislang beste Bundesligaplatzierung überhaupt, kann verbessert werden. Das gilt auch für die neue Bestmarke von fünf Spielen ohne Niederlage im Oberhaus. Und sollte Max Kruse auch gegen Bielefeld einen Strafstoß verwandeln, wäre dies in der Bundesliga der 16. Einschlag im 16. Versuch. Damit würde der Unioner mit Hans-Joachim Abel gleichziehen, der einst in seiner Zeit in Düsseldorf, Bochum und Gelsenkirchen bei all seinen 16 Elfermeterversuchen erfolgreich geblieben war.

Abheben wollen die Köpenicker keinesfalls. »Es ist noch zu früh, ein Fazit zu ziehen. Aber man sieht, dass wir uns entwickeln und spielerisch besser werden. Wir sind schwer zu schlagen«, meint Gentner. »Wir können durch die spielerische Entwicklung auch selbst Torchancen entwickeln und solche Überraschungen wie gegen Hoffenheim schaffen.«

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