Weltoffene Djane
Weiblich, modern, weltoffen: Wenn es darum geht, Palästina im richtigen Licht zu präsentieren, steht Sama Abdulhadi beim dortigen Tourismusministerium ganz oben auf der Liste: Die 30-jährige Musikproduzentin und Djane ist in der Welt der Techno-Musik die bekannteste Vertreter*in der Palästinenser*innen. Nun hat ausgerechnet dieses Engagement eine andere Seite der palästinensischen Regierung ins Licht der internationalen Öffentlichkeit gerückt. Nach einem Videodreh in Nabi Musa zwischen Ost-Jerusalem und Jericho wurde Abdulhadi festgenommen und für 15 Tage inhaftiert. Ein Gerichtsverfahren gab es nicht. Stattdessen erließ ein Richter eine schriftliche Haftanordnung. Im Palästina sind solche Schnellverfahren Alltag.
Sama Abdulhadi wird vorgeworfen, sie habe eine heilige Stätte entwürdigt. Nabi Musa gilt als der Ort, an dem Moses beerdigt worden sein soll. Als Beweis werden in der Verfügung Berichte in sozialen Netzwerken angeführt, während des Drehs seien in der Moschee Alkohol und Drogen konsumiert worden. Die französische Produktionsfirma weist die Vorwürfe zurück. Der Dreh sei zudem auch durch das Tourismusministerium genehmigt worden. Das Religionsministerium hält dagegen, man selbst sei zuständig. Viel mehr als alles andere zeigt sich an dieser Episode jedoch, wie gespalten die palästinensische Gesellschaft auch im Westjordanland mittlerweile ist.
In Jordanien geboren, in Ramallah mit der Vorliebe der Eltern für Rock und Reggae aufgewachsen, kam Abdulhadi in Beirut erstmals mit Techno in Kontakt, machte ihn zum Beruf, wurde erfolgreich. Frauenfeindliche Beleidigungen gegen Abdulhadi sind in sozialen Netzwerken schon seit Langem an der Tagesordnung, und auch wenn Techno im Westjordanland viele Anhänger*innen hat - einen Auftritt verbot Präsident Mahmud Abbas vor der Coronakrise höchstpersönlich. Der Grund: Er könne die »gesellschaftliche Ordnung« stören.
Wir stehen zum Verkauf. Aber nur an unsere Leser*innen.
Die »nd.Genossenschaft« gehört denen, die sie lesen und schreiben. Sie sichern mit ihrem Beitrag, dass unser Journalismus für alle zugänglich bleibt – ganz ohne Medienkonzern, Milliardär oder Paywall.
Dank Ihrer Unterstützung können wir:
→ unabhängig und kritisch berichten
→ übersehene Themen in den Fokus rücken
→ marginalisierten Stimmen eine Plattform geben
→ Falschinformationen etwas entgegensetzen
→ linke Debatten anstoßen und weiterentwickeln
Mit »Freiwillig zahlen« oder einem Genossenschaftsanteil machen Sie den Unterschied. Sie helfen, diese Zeitung am Leben zu halten. Damit nd.bleibt.