Erster Härtetest für Tokio

Bei der Hallen-EM sammeln manche deutsche Leichtathleten schon fleißig Edelmetall, andere indes vor allem Erfahrungen

  • Von Andreas Schirmer, Torun
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Hallen-EM war der erste Härtetest der deutschen Leichtathleten für die Olympischen Spiele in Tokio. »Es war ein Schritt in die richtige Richtung«, urteilte Weitsprung-Star Malaika Mihambo, die sich mit großen Sätzen bestens auskennt und im polnischen Torun auf dem Silberrang landete. Für die Weltmeisterin und ihre deutschen Mitstreiter gibt es bis zur Olympia-Eröffnung am 23. Juli noch viel zu tun, um trotz Pandemie optimal vorbereitet in Tokio zu starten.

»Ich habe mich in dieser Hallensaison schwergetan mit dem langen Anlauf, aus dem ich ein Jahr nicht gesprungen bin«, sagte Mihambo. »Jetzt geht es darum, bis zum Sommer daran zu feilen.« Wegen Rückenbeschwerden hatte sie sich 2020 geschont und nur 16 statt 20 Schritte bis zum Absprung gesetzt. Seit der Rückkehr zum langen Anlauf trifft sie das Brett seltener, fliegt weniger weit. Im Finale von Torun verschenkte Mihambo beim Silbersatz über 6,88 Meter einige Zentimeter und vielleicht den ersten Sieben-Meter-Sprung des Winters. »Effektiv war ich die Beste, aber im Ergebnis nur die Zweitbeste«, befand die 27-Jährige. »Ich bin zuversichtlich und weiß, dass ich noch einen Sprung über sieben Meter bringen kann.«

Fortgesetzt hat Dreispringer Max Heß seine bronzene Medaillenserie mit einen Satz über 17 Meter. Nach 2019 und 2017 gelang ihm erneut mit 17,01 Meter der Sprung auf Rang drei hinter dem Portugiesen Pedro Pablo Pichardo (17,30 Meter) und Alexis Copello aus Aserbaidschan (17,04). »Das ist die ärgerlichste Bronzemedaille«, klagte der 24 Jahre alte Chemnitzer. »Es waren leider vier ungültige Versuche dabei, die das Potenzial hatten, bei Gold mitzuspielen.«

Als Europas Nummer eins ging Kevin Kranz an den Start, als Zweiter reiste er mit Silber über 60 Meter zurück. »Auch wenn ich Bestzeit gelaufen wäre, hätte ich nicht gewonnen«, so der 22-Jährige. In 6,60 Sekunden kam Kranz hinter dem Italiener Lamont Marcell Jacobs ins Ziel, der in 6,47 Sekunden Weltbestzeit aufstellte. »Ich wäre gerne schneller gelaufen, bin aber erstmal glücklich.«

Mehr als Glück empfand Hanna Klein nach Bronze in 4:20,07 Minuten über 1500 Meter. »Es war mein Traum, eine Medaille zu gewinnen. Es ist meine erste bei einer großen Meisterschaft - die Farbe ist mir relativ egal«, so die Tübingerin. Schlecht gelaufen ist es für Gesa Krause. Die Hindernis-Europameisterin wurde in dem Lauf nur Letzte. »Trotz dieses Rennens bin auf gutem Weg nach Tokio«, sagte die Triererin. »Ich bin aus einem Tief immer stärker herausgekommen.«

Olympia-taugliche Höhen erreichte auch Hochsprung-Europameister Mateusz Przybylko nicht. Gehandicapt durch Fußprobleme überquerte der 28-jährige Leverkusener nur 2,19 Meter. »Ich bin echt traurig«, sagte er: »Das Fluggefühl ist aber wieder da. Im Sommer geht es richtig ab.«

Wenn es nach der früheren Kugelstoß-Weltmeisterin Christina Schwanitz ginge, sollten die Tokio-Spiele wegen Corona lieber bis 2024 verschoben werden. So könne man die Vier-Jahres-Periode wiederherstellen, sagte Schwanitz im Deutschlandfunk. Dann ginge es nicht mehr um Angst, sondern »tatsächlich wieder um den Sport«, argumentierte Schwanitz, die zum EM-Auftakt Bronze gewann. Die Sommerspiele in Paris (2024) und Los Angeles (2028) sollten, so Schwanitz, entsprechend jeweils vier Jahre später abgehalten werden. dpa/nd

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung