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Papierkram als vierte Disziplin

Vor dem Saisonstart stand für die Triathleten nicht nur Training auf dem Vorbereitungsplan

Einreiseformulare, Anträge auf Corona-Soforthilfe, Netzwerkpflege: Wenn die besten mitteldeutschen Triathleten am Freitag unter Palmen in ihre Saison starten, haben sie ihre neue vierte Disziplin bereits erfolgreich absolviert - den Papierkram. Denn statt sich nur auf ihren Sport zu konzentrieren, war viel bürokratischer Aufwand nötig, um es überhaupt an die Startlinie zu schaffen.

Marcus Herbst hatte zum Glück die richtigen Papiere dabei, als er jetzt zum Mitteldistanzrennen nach Miami reiste. »Es gibt für die Einreise Formulare für Ausnahmeregelungen. Der Veranstalter hatte uns darüber informiert, diese aber nicht übersandt«, berichtet der gebürtige Gardelegener. »Wir hatten Glück, das Formular unabhängig davon bei der amerikanischen Botschaft beantragt zu haben.« Jan Frodeno erging es anders. Der Star der Szene und zudem Favorit bei der Challenge Miami wurde beim ersten Versuch nicht ins Land gelassen. Letztlich sind Herbst oder der am Freitag in Dubai ebenfalls über die halbe Ironmandistanz startende Jenaer Christian Altstadt einfach nur froh, ihren Sport endlich wieder ausüben zu können. Der Weg dahin war allerdings mit viel Energie- und Kraftaufwand sowie mit Existenzängsten verbunden. Denn Herbst und Altstadt sind schließlich Profis.

Leistungssport als Gewerbe

Seit 2017 hat der 33-Jährige Altstadt ein Gewerbe als Leistungssportler, über das alle Einnahmen laufen. Da er seinen Lebensunterhalt durch den Sport bestreitet, machte ihm die Pandemie zu schaffen, er beantragte die staatliche Corona-Soforthilfe. Viele Unterstützer hielten dem studierten Geisteswissenschaftler die Treue. »Anfangs habe ich schon überlegt, welche beruflichen Alternativen es zum Triathlonsport gäbe«, berichtet er. »Dass die wichtigsten Sponsoren blieben, ist für die monatliche Einkommenssicherung wichtig. Sie machen den Großteil der Einnahmen aus, da Preisgelder nur eine Zugabe sind.«

Aufgrund der Pandemie wurden zudem die Reisepläne angepasst. So bleibt der Wahl-Leipziger Herbst nach seinem Start in Miami gleich in den USA, um Ende April beim Ironman Texas zu starten und sich für die WM auf Hawaii zu qualifizieren. »Es war sicher keine normale Vorbereitung, trotzdem weiß ich, dass ich in allen Disziplinen gut in Form bin und ein gutes Rennen zeigen kann«, sagte der 32-Jährige. Zum Auftakt in Florida peilt er einen Platz unter den besten Zehn an.

Für Altstadt geht es in den Emiraten um einen ersten Formtest. Obwohl die Mitteldistanz nicht zu seinen Lieblingsstrecken gehört, möchte er schneller als vor vier Jahren sein, als er an gleicher Stelle sein Profidebüt gab. Dabei hofft er, unter der Vier-Stunden-Marke zu bleiben - als erster Thüringer Triathlet überhaupt.dpa/nd

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