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Kampf um sieben Kristallkugeln

Das Saisonfinale im alpinen Skiweltcup ist so spannend wie schon lange nicht mehr

  • Von Manuel Schwarz, Lenzerheide
  • Lesedauer: 3 Min.

Der erste Coronawinter im alpinen Skisport geht mit dem Weltcupfinale ab diesem Mittwoch in Lenzerheide zu Ende. Dass die Saison unter den Pandemiebedingungen überhaupt durchgezogen werden konnte, darf als organisatorischer Erfolg gesehen werden. »Die international getroffenen Maßnahmen haben sich bewährt«, urteilte der deutsche Alpinchef Wolfgang Maier. Sportlich ist der Ausklang in der Schweiz reizvoll, etliche Entscheidungen um Disziplin- und Gesamtwertungen sind noch offen.

Die Kristallkugeln

Anders als in früheren Jahren, als Stars wie Marcel Hirscher oder Mikaela Shiffrin etliche Kristallkugeln schon vor dem Finale fix gemacht hatten, ist in diesem Winter noch vieles offen. Einzig der Österreicher Marco Schwarz im Slalom, die Schweizerin Lara Gut-Behrami im Super-G und Marta Bassino aus Italien im Riesenslalom haben die drei kleinen Kristallkugeln schon sicher. Sieben Trophäen - und dabei vor allem die beiden großen Pokale für die Gesamtwertungen - sind noch zu vergeben.

Zwei große Duelle

Der Franzose Alexis Pinturault liegt in der Gesamtwertung nur 31 Zähler vor Marco Odermatt aus der Schweiz. Der Vorsprung war schon größer, zuletzt aber schwächelte Pinturault. Der Allrounder droht ein zweites Mal noch kurz vor dem Triumph abgefangen zu werden. Nach dem Rücktritt von Hirscher 2019 galten Pinturault und auch der Norweger Henrik Kristoffersen eigentlich als Erben des österreichischen Dauerchampions. Im vorigen Winter aber stahl Aleksander Aamodt Kilde aus Norwegen dem Duo die Show. Gelingt Odermatt ein ähnlicher Coup?

Bei den Frauen ist die Lage für Petra Vlhova etwas komfortabler: die Slowakin hat 96 Punkte Vorsprung auf Gut-Behrami. Nachdem die 25-Jährige in den vergangenen Jahren klar im Schatten von US-Star Mikaela Shiffrin stand und in der letzten Saison die Italienerin Federica Brignone im Weltcup überragte, hat Vlhova in diesem Winter die große Kristallkugel voll im Fokus. Sie trat in allen Disziplinen an und riskierte für ihr Ziel sogar, bei der WM nicht in Topform zu sein. In Cortina sprangen dann auch nur zwei zweite Plätze heraus für die ehrgeizige Allrounderin.

Ein überraschendes Comeback

Die WM hatte Sofia Goggia vor dem Fernseher verfolgen müssen, sie verpasste ihr Heimspiel wegen einer Knieverletzung. Dabei war die Italienerin die beste Abfahrerin des Winters und hatte vor ihrem Malheur vier von fünf Rennen in ihrer Spezialdisziplin gewonnen. In Abwesenheit der Olympiasiegerin pirschte sich dann Weltmeisterin Corinne Suter aus der Schweiz bis auf 70 Punkte an Goggia heran. Kampflos will die Italienerin die kleine Kugel aber nicht hergeben und kündigte am Montag schon etwas überraschend an, in der Schweiz ihr Comeback zu geben. Ob es zum Showdown kommt, hängt allerdings vom Wetter ab. Wegen Schneefalls wurde am Dienstag auch schon das zweite Abfahrtstraining gestrichen. Theoretisch möglich ist es, am Renntag selbst in der Früh noch zwei schnelle Trainings abzuhalten. Sollte auch das schiefgehen, muss das Rennen abgesagt werden, denn ohne Probeläufe dürfen keine Abfahrten gefahren werden. Bei diesem Szenario hätten Goggia und der Schweizer Beat Feuz die Weltcupwertungen gewonnen - und im Gesamtweltcup würden die Chancen für die Techniker Pinturault und Vlhova deutlich steigen.

Die deutschen Aussichten

Vielleicht wird im Duell Goggia gegen Suter die Deutsche Kira Weidle ein Zünglein an der Waage: Sie kann die Kugel zwar nicht gewinnen, ist als Vizeweltmeisterin aber eine Kandidatin für das Podest und könnte den Rivalinnen wichtige Punkte wegnehmen. Die 25-Jährige ist die aussichtsreichste der DSV-Athleten. Für alle - also auch Slalomfahrerin Lena Dürr, die WM-Medaillengewinner Andreas Sander und Romed Baumann in den Speedevents sowie die Techniker Linus Straßer, Alexander Schmid und Stefan Luitz - geht es darum, mit einem guten Gefühl in den Sommer vor der Olympiasaison zu gehen.dpa/nd

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