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Sputnik V ante portas

Wegen Beschränkungen beim Astra-Zeneca-Vakzin werden Rufe nach dem russischen Impfstoff lauter

  • Von Jana Frielinghaus
  • Lesedauer: 3 Min.

Die steigenden Corona-Infektionszahlen einerseits und die am Dienstagabend von Bundesregierung und Ministerpräsidenten beschlossenen Einschränkungen beim Einsatz des Impfstoffs von Astra-Zeneca halten die Bundesrepublik in Atem. Vor diesem Hintergrund werden Forderungen nach einem »harten Lockdown« lauter, also nach sehr weitgehenden Restriktionen wie Ausgangssperren und Betriebsschließungen. Zugleich fordern immer mehr Experten eine schnelle Zulassung des russischen Corona-Vakzins Sputnik V. Zuletzt verlangte dies der Vorstandschef des Weltärztebundes, Frank-Ulrich Montgomery. Auch für einen »absoluten Lockdown« spricht er sich aus.

Montgomery sagte am Mittwoch in dem Videoformat »19 - die Chefvisite«, eine Strategie der »umfassenden Kontaktvermeidung« sei so lange nötig, bis die Sieben-Tage-Inzidenz bei »deutlich unter 30« Neuinfektionen je 100 000 Einwohner liege. Anders lasse sich das »exponentielle Wachstum« bei den Ansteckungen mit dem Coronavirus nicht »einfangen«. Nach Montgomerys Vorstellungen dürften vorerst nur noch Lebensmitteleinkäufe, Gassigehen mit dem Hund oder Individualsport im Freien erlaubt sein, wobei auch dabei FFP2-Masken getragen werden sollten. Montgomery kritisierte den »Irrsinn« der Ministerpräsidenten, die die Lockdown-Maßnahmen zu früh gelockert hätten. Jetzt sei »konsequente politische Führung« gefragt.

Zugleich beklagte Montgomery das »Informationschaos« rund um den Impfstoff der Firma Astra-Zeneca. Dadurch sei das Vertrauen der Bevölkerung »zerstört« worden. Dieser Impfstoff sei damit »nicht wissenschaftlich, aber aus Kommunikationssicht verbrannt«. Dabei bilde er mit einem Anteil von einem Viertel »das Rückgrat der deutschen Impfkampagne«. Angesichts dessen setzt der Ärztebundchef Hoffnungen in Sputnik V. Das Vakzin könne »der Retter für die Leute sein, die ihre erste Impfung mit Astra-Zeneca hatten und die zweite damit jetzt nicht mehr wollen«. Beide Präparate sind Vektorimpfstoffe, fußen also auf derselben Technologie. Dennoch sollte die europäische Arzneimittelbehörde EMA in der laufenden Zulassung von Sputnik V »ein geregeltes Verfahren durchhalten«, mahnte Montgomery.

Eine mögliche Kooperation bei Impfstoffen und der Umgang mit Sputnik V war auch eines der Themen auf einer Videokonferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Russlands Staatschef Wladimir Putin. Das teilte Regierungssprecher Steffen Seibert am Dienstagabend mit, nannte jedoch keine Details. Nach Angaben der russischen Regierung wurden Perspektiven »möglicher Lieferungen und der gemeinsamen Produktion dieses Präparats in EU-Ländern« diskutiert. Die EMA prüft derzeit einen Antrag auf Zulassung von Sputnik V in der EU. Im April werden in Russland Experten der EMA zur Begutachtung von dessen Produktion und Lagerung erwartet. Der russische Pharmakonzern R-Pharm will das Vakzin ab Juni oder Juli im bayerischen Illertissen produzieren. Österreich wird Sputnik V derweil »wahrscheinlich schon nächste Woche« bestellen, wie Bundeskanzler Sebastian Kurz am Mittwoch nach einem Treffen mit dem russischen Botschafter in Wien mitteilte.

Für einen harten Lockdown und eine Rücknahme aller Lockerungen in Deutschland sprachen sich zahlreiche weitere prominente Mediziner aus. Die Situation in der dritten Pandemiewelle sei leider »sehr ernst und sehr kompliziert«, sagte der Charité-Virologe Christian Drosten in seinem NDR-Podcast. Für ihn bleibe nur noch der »Holzhammer«. Amtsärzte plädieren ebenfalls für einen »konsequenten Lockdown«. Die Regierungschefs von Bayern und Baden-Württemberg, Markus Söder (CSU) und Winfried Kretschmann (Grüne) forderten in einem gemeinsamen Brief an ihre 14 Amtskolleg*innen eine konsequente Umsetzung der »Notbremse« in Hotspots, auch mit nächtlichen Ausgangsbeschränkungen. Zudem plädieren sie für eine Corona-Testpflicht an den Schulen nach den Osterferien. »Das Virus verzeiht keine Verzögerungen«, mahnen Söder und Kretschmann. Mit Agenturen

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