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Wann besiegen uns die Computer?

DOKTOR SCHMIDT ERKLÄRT DIE WELT

  • Lesedauer: 3 Min.
Wann besiegen uns die Computer?

Die Computer werden immer flotter. Forscher von IBM haben ein Programm konstruiert, das mit Menschen erfolgreich debattieren kann. Was hältst du davon?

Dr. Steffen Schmidt
Dr. Steffen Schmidt, Jahrgang 1952, ist Wissenschaftsredakteur des »nd« und der Universalgelehrte der Redaktion. Auf fast jede Frage weiß er eine Antwort – und wenn doch nicht, beantwortet er eine andere.
Christof Meueler fragt nach Verschwörungstheorien.

Dass Computer Berge von Informationen händeln können, ist überhaupt kein Ding. Aber dass sie in der Fülle von Sätzen und Fakten tatsächlich Argumente erkennen und diese sinnvoll in eine Debatte einbringen können, das ist schon etwas Neues.

Die Menschen werden schon eine ganze Weile von Computern besiegt, erst im Schach, im Go-Spiel, beim Rätseln in der Quizshow »Jeopardy!«, selbst beim Poker und jetzt auch im Argumentieren.

Ganz so weit sind sie noch nicht. Es gab drei Debatten, in denen der Computer gegen Menschen antrat. Er hat nur eine gewonnen, eine hat er verloren und eine endete unentschieden.

Vielleicht war er rhetorisch noch nicht gut genug.

Ja, da kommt Technik noch an Grenzen. Bei einer Debatte auf einem Podium kommt es ja doch sehr darauf an, wie man sich präsentiert. Es gibt Leute, die können im Brustton der Überzeugung den größten Quark erzählen und du glaubst es ihnen. Und hinterher ist dann April, April. Ich bin mir nicht sicher, ob so ein Computer ohne Weiteres einen Aprilscherz hinkriegen würde.

Inzwischen spielen sogar Schachprogramme gegeneinander.

Ja, aber Schach ist eine vergleichsweise übersichtliche Angelegenheit, durchweg von Regeln bestimmt, die bekannt sind. Das ist bei einer Debatte schon etwas anderes, zumal man die oftmals sogar leichter gewinnt, wenn man gezielt die ein oder andere Regel ignoriert. Und es gibt noch ein Problem.

Welches?

Künstliche Intelligenz ist eine Kiste, die irgendwo in der Ecke steht und auf Datenbanken zugreift, aber ihr fehlt etwas, das die menschliche Intelligenz kann: die unmittelbare und erfahrbare Wirklichkeit da draußen verändern. Wir können mit unseren Händen Dinge herstellen, wir können irgendwo hingehen und Neues erkennen. Das muss dem Computer auf andere Weise zugänglich gemacht werden - von Menschen. Deshalb wird es mit der künstlichen Intelligenz frühestens dann etwas, wenn es humanoide Roboter gibt, deren Rechnerleistung hinreichend groß ist, um das zu leisten.

Also haben wir noch ein bisschen Zeit, bevor wir abgeschafft werden.

Ganz sicher. Wir sollten uns vielleicht überlegen, wie wir diese Welt gerne haben wollen. Wenn allerdings viele Leute sich darüber nicht einig sind und einige davon Macht und Geld haben, um solche Werkzeuge zu benutzen, dann wird man früher oder später noch mehr fremdbeherrscht sein, als man es heute schon ist.

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